Christiane zu Salm, Dieser Mensch war ich

“Wenn Menschen denken, dass du stirbst,
hören sie dir richtig zu – statt nur darauf zu warten,
bis sie wieder dran sind mit reden.”
Aus Fight Club

Damit beginnen die “Nachrufe auf das eigene Leben”, so der Untertitel dieses Buches. Die Autorin ist Sterbebegleiterin, hat also viel Kontakt mit Menschen am Ende ihres Lebens und sie hat zugehört. Herausgekommen ist dabei ein Buch mit vielen interessanten Rückblicken auf sehr unterschiedliche Leben und Möglichkeiten, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Viele haben ihr gesamtes Leben mehr oder weniger geschwiegen über das, was sie bewegt, bedrückt, aber auch beglückt hat, vor allem die interviewten Männer. Die Autorin stellt sich und den LeserInnen die Frage:

“Warum muss erst deine Zeit ablaufen, damit du reden kannst?”

Scheinbar ist es ein Buch über das Sterben, doch eher ist es ein Buch über (vergangenes) Leben, das dem Sterben vorausgeht und eine Möglichkeit, das eigene “Leben noch mal zu überdenken” so Maria Furtwängler auf dem Buchcover. Mit dem Wissen um die eigene Sterblichkeit Leben gestalten, das ist der Impuls dieses Buches. Schon in der Kindheit hat die Autorin schmerzhafte Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Der eigene Bruder ist früh verunglückt, für sie und ihre Familie Anlass, bewusster zu leben und sich klar zu machen:

“Für alles gibt es eine Lösung, irgendeine. Nur für den Tod nicht”.

Vielleicht wird es dann auch einfacher, zu wissen, was wirklich wichtig ist im eigenen Leben, und das schon zu Lebzeiten und nicht erst auf dem Sterbebett.

Christiane zu Salm, Dieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben, München 5.Aufl. 2013, 253 S., ISBN 978-3-442-31350-1

Datum: 4. Februar 2014
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2 Kommentare

  1. Sonja | Dienstag, 4. Februar 2014 10:49
    1

    Ja, die Männer hinter den verschränkten Armen, cool wippend, immer in überlegener Haltung. Ja, warum reden sie erst dann? Viele schweigen für immer, erlebten Unvorstellbares, z.B. in Kriegszeiten, erkrankten daran. Vielleicht wollen sie andere vor sich schützen- und sich selbst vor diesem Schmerz…?

  2. mona lisa | Dienstag, 4. Februar 2014 19:33
    2

    ich kenne einige, die anders sind, aber die sind offensichtlich jünger als die von dir gemeinten, Sonja. Und deren Zeit scheint noch nicht abgelaufen zu sein.

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