Susanne Hooper, Die schmerzende Seele begibt sich auf den Weg

Dieser schmale Gedichtband macht eine Entwicklung des lyrischen Ichs deutlich.
Es ist – zunächst – offensichtlich das einer (sehr) jungen Frau, die schlafend oder tagträumend auf den Prinzen wartet, ohne den sie sich verloren wähnt.

Da ist vom Rausch der Gefühle die Rede, von den „berühmten Schmetterlingen“ im Bauch, von trauter, inniger Zweisamkeit, die Garant für alle problematischen Situationen zu sein scheint. Und da ist der Wunsch:

Am liebsten
würde ich ihn einsperren.
In einen goldenen Käfig.

Und die Einsicht, dass das wenig sinnvoll ist, auch wenn das Leben ohne ihn
„endlose Leere“ im Körper verbreitet und die Kraft des lyrischen Ichs „schlagartig“ nachlässt.

Andeutungen von Schwierigkeiten, von Händen, die sich ausstrecken, das Gegenüber aber nie erreichen verdeutliche eine Wende, die das lyrische Ich bei sich und den eigenen Kräften ankommen lässt.

Das letzte Gedicht zeigt (therapeutisches) Schreiben als oft unterschätzen Weg auf:

Papier und Stift.
Oft unterschätzt.
man kann sich besser
und stärker schreiben.
Schreibt hundert Mal
„Ich kann es!“
dann schaffst du es.
Schreib hundert Mal
„Ich werde geliebt!“
Es gibt dir den Antrieb,
an dich zu glauben
und deiner Situation ins Gesicht zu schauen.
Denn mit alltäglichen Geschehnissen
wird oft vergessen,
wie wichtig man eigentlich ist
und wie vielen Menschen
man nahesteht.
Schreib, schreib‘, schreib
und genieß deine Zeit.

Susanne Hooper, Die schmerzende Seele begibt sich auf den Weg, Gedichte, Berlin 2014, 54 S., ISBN 978-3-8280-3187-6

Datum: 15. März 2014
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Gedichte, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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