Mütter

Ich sehne oft nach einer Mutter mich,
nach einer stillen Frau mit weißen Scheiteln.
In ihrer Liebe blühte erst mein Ich;
sie könnte jenen wilden Haß vereiteln,
der eisig sich in meine Seele schlich.

Dann säßen wir wohl beieinander dicht,
ein Feuer surrte leise im Kamine.
Ich lauschte, was die liebe Lippe spricht,
und Frieden schwebte ob der Teeterrine
so wie ein Falter um das Lampenlicht.

(Rainer Maria Rilke)

Datum: 15. Juni 2014
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2 Kommentare

  1. Quer | Montag, 16. Juni 2014 6:12
    1

    Das waren noch die Mütter der letzten und vorletzten Generation. Die heutigen kann man sich kaum mehr so weissscheitelig, demütig und still vorstellen…

    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Montag, 16. Juni 2014 7:08
    2

    Bestimmt Quer, doch der Wunsch nach Nähe und Liebe bleibt!
    Einen angenehmen Wochenbeginn!

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