Angelika Kaddik, Wie aus Schmerzen Perlen werden

Wenn nicht mehr klar ist, wie man zu trauern hat, weil es kaum mehr gesellschaftlich normierte Trauerrituale und -vorschriften gibt, wo findet man dann Halt in einer Situation, die vielen den Boden unter den Füßen wegzieht, sie fassungslos macht?

Was kann hilfreich sein, um wieder Fuß zu fassen, wie ist die körperlich, emotional und seelisch sehr anstrengende Trauerarbeit überhaupt zu bewältigen?

Nach dem Suizid ihres Bruders stellt sich Angelika Kaddik ihrer Trauer, die sie nach dem Tod ihres Vaters vor mehr als dreißig Jahren noch verdrängt hat. Sie schaut hin, was ihr gut tut, was wenig hilfreich ist, bewältigt auf diese Art und Weise zugleich die Trauer um den Vater.

Ergebnis ihres Trauerprozesses ist eine Art Handbuch für Trauernde, die sich – zunächst gedanklich – in sieben Kapiteln mit verschiedenen Aspekten der Trauer auseinandersetzen können.

Jedem Kapitel ist ein Trauertext der Autorin oder auch ein poetischer Text etwa von Saint-Exupéry, Hilde Domin u.a. beigefügt. Dann gibt es viele konkrete Vorschläge, seiner Trauer Ausdruck zu geben, etwa eine Trauerecke einzurichten, sich eine Trostkiste anzulegen, ein Trauertagebuch zu schreiben, aber auch eines, in dem man festhält, woran man mit der Zeit wieder Freude hat, was einem hilft, in das eigene, oftmals radikal veränderte Leben zu gelangen.

Eine leere Seiten pro Kapitel kann für eigene Ideen und Aufzeichnungen genutzt werden. Körperübungen dienen als Anregung im Umgang mit den schweren Gedanken.

Die Farbe Schwarz ist heute eher Ausdruck modischer Kleidung denn Zeichen von Trauer. Schwarze Armbinden oder Streifen im Knopfloch sind ebenfalls nicht mehr üblich. Doch wie kann man – wenn man es als hilfreich ansieht – seiner Umgebung signalisieren, dass man um einen geliebten Menschen trauert? Angelika Kaddik hat eine TRAUERPERLE entworfen, eine schwarze Onyxperle auf einem silbernen Pin, die man an der Kleidung feststecken kann. Für die Autorin naheliegend, da sie in diesem Buch mit der Entstehung einer Perle als Sinnbild sich wandelnder Trauer arbeitet.

Viele der vorgeschlagenen Tipps halte ich für hilfreich für die eigene, individuelle Trauerarbeit. Jeder kann Verschiedenes ausprobieren und herausfinden, was für ihn sinnvoll ist. Braucht jemand mehr Hilfestellung als das Buch vermitteln kann, so gibt es zum Schluss noch Literaturhinweise und Internet- u. Telefonnummern.

Angelika Kaddik, Wie aus Schmerzen Perlen werden. Mein Trostbuch. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2014, 136 S., ISBN 978-3-597-07305-7

Datum: 7. August 2014
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2 Kommentare

  1. Angelika Kaddik | Freitag, 8. August 2014 19:24
    1

    Danke!

    …herzliche Grüße aus Potsdam

    Angelika Kaddik

  2. Gabriele Ebbing | Freitag, 8. August 2014 19:30
    2

    Ein wunderbares Buch von einer tollen Frau

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