Anja Kieffer, Katja Pagel, Opas Reise zu den Sternen

„Opas Reise zu den Sternen“ ist ein „Kinderbuch zu Tod und Trauer“, so der Untertitel.

Jakob liebt seinen Opa. Die beiden verbringen regelmäßig die Samstage miteinander, liebevoll die Opa-Tage genannt. Sie spielen mit der Holzeisenbahn oder Opa liest Jakob Geschichten vor. Jakob sitzt dann auf Opas schoß, eng an ihn gekuschelt. Er hört zu und spürt Opas Wärme und seinen weichen Körper.

Doch Opa stirbt – ganz plötzlich.

„Gestorben“, das Wort kennt Jakob, hat es schon mehrfach gehört. Er weiß, dass Menschen dann tot sind. Aber was es genau bedeutet, das weiß Jakob noch nicht.

Jakobs Vater kümmert sich intensiv um Jakob und erklärt ihm, was der Tod ist:
„Der Tod ist keine Person. Tod ist nur ein Wort. Es bedeutet das Ende unserer Zeit auf der Erde“, sagt Papa. „Wir suchen uns nicht aus, wann wir sterben. Der Tod kommt von alleine.“

Ob Kinder, die noch mit Holzeisenbahnen (gibt es die überhaupt noch?) spielen, diese Erklärung verstehen?

Wo Opa denn nun ist? „Auf seiner Reise zu den Sternen“!
Und Jakobs Vater erzählt die Geschichte von den Sternen, die irgendwann einmal unbedingt auf die Erde wollen, dort als Menschen geboren werden und nach dem Tod – so wie Opa – ihre Reise zurück zu den Sternen antreten – ohne Körper, der beerdigt werde.
„Opas Körper bleibt in der Kiste. Aber das ist nicht mehr der Opa. Es ist nur der Körper. Ohne Gefühle. Ohne Opa.“

Nun hat Jakob zwei Orte, an denen er den Opa weiß: Der Körper ist auf dem Friedhof, und das, was den Opa ausmacht, ist zum Stern geworden, also am Himmel zu finden.

Und dennoch sind da der Schmerz, die Traurigkeit um Opa, die nicht weggehen wollen.
„Jetzt ist das noch so, weil der Opa noch nicht lange tot ist. Das ist wie eine Verletzung, die heilen muss. Das dauert eine Weile. Aber dann, irgendwann, bleiben uns die schönen Erinnerungen.“ So macht ihn seine Mutter darauf aufmerksam, dass der Opa in seinem Herzen weiterlebe, er ihn also immer bei sich habe.

Im Nachwort wird darauf hingewiesen, dass Jakobs Trauer ihn noch lange begleitet, aber auch, was ihm geholfen hat:
über die Trauer reden,
seine Eltern, also Menschen, die zuhören und ehrlich mit ihm umgehen und
die „Erlaubnis“, traurig sein zu dürfen.

Ich finde es gut, dass Menschen sich Gedanken über Sterben und Tod machen und dabei berücksichtigen, dass auch Kinder davon betroffen sind, wenn Menschen sterben, mit denen sie sich eng verbunden gefühlt haben, und nicht davon ausgehen, man müsse Kinder von diesen Themen fern halten. Meist sind es nämlich die eigenen Ängste und Schwierigkeiten, die Erwachsene so denken und handeln lassen.

Die Autorin und auch die Illustratorin haben dieses Thema in Wort und Bild umgesetzt. Aber kindgerecht? Das bezweifle ich ein wenig. Es wird meines Erachtens zuviel, zu kompakt auf einigen Seiten angesprochen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder in ihrem eigenen Tempo zu diesem Thema Fragen stellen, die man dann offen und ehrlich beantworten sollte.

Dabei aber könnte das Kinderbuch gute Anregungen geben, diese Fragen kindgerecht zu beantworten bzw. sich überhaupt erst einmal in Kinderseelen einzufühlen. So werden Schuldgefühle angesprochen, die Kinder sehr schnell entwicken können, wenn etwas passiert, was sie sich nicht erklären können. Und ihr Entsetzen über das Verhalten von Erwachsenen bei und nach Beerdigungen, etwa wenn Erwachsene meinen, trauernden Kindern ungefragt über den Kopf streichen zu müssen oder – für Kinder völlig unverständlich – die meist heitere Stimmung, die dann nach einiger Zeit während des Beerdigungessens entsteht.

So wie das Buch geschrieben ist, würde ich es Kindern in einer Trauersituation sicher nicht vorlesen, wohl aber vorher, wenn sie noch nicht unmittelbar davon betroffen sind. Dann wäre es eine sinnvolle Vorbereitung auf Trauer-Situationen, von denen ja auch Kinder nicht verschont bleiben so wie Jakob in diesem Buch.

Anja Kieffer, Katja Pagel, Opas Reise zu den Sternen. Ein Kinderbuch zu Tod und Trauer. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2014, ISBN 978-3-579-07306-4

Datum: 24. August 2014
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Ein Kommentar

  1. Sabina | Dienstag, 26. August 2014 11:23
    1

    Sehr geehrte/r Kritiker/in,

    als erstes möchte ich ihre Frage beantworten ob Kinder heutzutage noch mit einer Holzeisenbahn spielen. JA das tun sie und was für eine Rolle spielt das für Sie im Zusammenhang mit diesem Buch?
    Wenn ich Ihre Kritik lese komme ich zu dem Schluss das Sie keine Kinder haben und das Sie immer noch der Meinung sind Kinder müssen geschont werden.
    Ich bin von Beruf Erzieherin und möchte behaupten das in diesem Buch die Antworten sehr Kindgerecht sind.
    Kindern wird in diesem Bilderbuch, ein wirklich sehr wertvoller Zugang zum Tod, Trauer und Abschied ermöglicht. Es ist die Kinderseele die in diesem Buch berührt wird und nicht der Verstand eines Erwachsenen.
    Es ist durchaus ein Buch das man vor dem Tod, während des Todes und nach dem Tod mit Kindern lesen kann.Und es bleibt ja jedem selbst überlassen in welchem Tempo er dieses Buch mit dem Kind betrachten und vorlesen möchte.
    Ich kann dieses Buch nur empfehlen, da hat sich jemand wunderbar in ein Kind hineingefühlt und offen und ehrlich Fragen beantwortet die Kinder,heutzutage, ob mit oder ohne Holzeisenbahn,stellen.
    Mit freundlichem Gruß
    Sabina

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