Herbsteinsamkeit

Der Herbst des Einsamen

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.
Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.
Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.

(Georg Trakl)

Datum: 12. September 2014
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2 Kommentare

  1. Quer | Samstag, 13. September 2014 6:44
    1

    Ich mag diesen Septemberblues in Worten.

    Lieben Gruss in den grauen Tag,
    Brigitte

  2. mona lisa | Samstag, 13. September 2014 7:10
    2

    Ja, hier herrscht auch (noch) Einheitsgrau vor.
    macht nichts, Ich muss noch zwei 10l Eimer Pflaumen verarbeiten!!
    LbG

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