Irmgard Schreiner, Denk ich an Frankreich in der Nacht …

In diesem schmalen Band verarbeitet Irmgard Schreiner offensichtlich ihre zahlreichen Impressionen über Frankreich in Gedichten sehr unterschiedlicher Art und freut sich schon auf den nächsten Aufenthalt, der ihr dabei hilft, die „deutsche pedantische Zeit“ zu vergessen. Das Gedicht „Guten Morgen Frankreich“ liest sich fast wie eine „Einleitung“ in die Facetten, die den Leser ihrer Gedichte erwarten:
Erinnern
den Duft
von croissants nature,
die zur Frühmesse
rufenden Glocken
von Notre Dame.
Bonjour Strasbourg!
Und Bilder
hinter der Stirn …
der lächelnde Engel vom Westportal,
das Ballet der Möven
an den Ufern der Ill,
printemps
au quai de Paris.

Sie beschließt:

Ich werde den „Maurice Ravel“,
ich werde den Nachtzug nehmen,
ich werde die Zeit verlernen,
die deutsche pedantische Zeit,

Frankreich, ich komme!

Von diesem Enthusiasmus sind auch ihre nach den Regeln der alten Rechtschreibung verfassten Gedichte geprägt, gespickt mit zahlreichen Zitaten von und Erinnerungen an französische Schriftsteller, verwoben mit ihren eigenen Gedanken, Gefühlen und Impressionen:

An Julien Green I
Im sanften Rauchblau
eines Vormittags
deine Tagebücher
lesen:
verschleierte Oktoberwiesen,
goldbedreßt
von fallendem Herbstlaub,
in der blinden Gefangenschaft
des Nebels
„am geöffneten Fenster
den Fluß
der Jenseitigkeit
spüren“ (Julien Green)
und die schimmernden Boote
der Befreiung.

Einige Male habe ich mich beim Lesen „klammheimlich“ gefragt: Sind solche Erfahrungen, Impressionen nur in Frankreich möglich?

Irmgard Schreiner, Denk ich an Frankreich in der Nacht …, Gedichte, Frieling Verlag Berlin 2014, 48 S., ISBN 978-3-8280-3213-2

Datum: 16. September 2014
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2 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 22. September 2014 16:32
    1

    Was bin ich so froh, in Dir eine Lyrikleserin und Liebhaberin erkennen zu können.
    Diese „klammheimliche“ Frage, ist sie von Dir oder gehört sie noch zum Text über das Buch?

  2. mona lisa | Montag, 22. September 2014 20:54
    2

    nein, das ist meine Frage beim Lesen einiger Gedichte!
    Schön, dass auch du wieder zu lesen bist!

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