Harald-Alexander Korp, Am Ende ist nicht Schluss mit lustig

Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht
gegen die vielen Mühseligkeiten
des Lebens drei Dinge gegeben:
Die Hoffnung, den Schlaf
und das Lachen.“

Immanuel Kant

„Humor angesichts von Sterben und Tod“ geht das überhaupt und wenn ja, darf das sein? Lachen im Hospiz oder anderswo am Kranken- und Sterbebett?

Der Autor ist Lehrbeauftragter für Religionswissenschaft, Lach-Yoga Trainer, zertifizierter Humor-Coach und Sterbebegleiter in einem Berliner Hospiz, der in diesem Buch das Thema sowohl von der theoretischen als auch von der praktischen Seite angeht. Fein- zum Teil auch sehr hintersinnig illustriert ist das Ganze mit Karikaturen von Karl-Heinz Möhl.

Den Leser erwarten detaillierte Ausführungen zu den verschiedenen Arten des Humors und den unterschiedlichen Wirksamkeiten in physischer und psychischer Sicht. Denn Lachen hat eine nachweislich positive körperliche Wirkung, die zwar Schmerzen nicht eliminieren, wohl aber die Schmerzwahrnehmung des Kranken vorübergehend verändern kann.

Auch für die Pflegenden kann humorvoller Umgang mit dem Kranken oder Sterbenden entlastend sein, wenn denn Humor empathisch und mit Fingerspitzengefühl eingesetzt wird. Genau darin aber besteht die Schwierigkeit: Humor in all seinen Facetten muss zum jeweiligen Adressaten, zur Situation passen und den richtigen Moment erwischen, um nicht als Schuss nach hinten loszugehen. „Witz und Humor beinhalten darum immer ein Wagnis.“ Richtig plaziert aber können Witz, Humor, Ironie etc. unerträgliche spannungsgeladene Situationen entlasten.

Zahlreiche Witze, Anekdoten, Geschichten oder die Wiedergabe tatsächlicher Begebenheiten machen das Lesen zum Vergnügen. Ich habe jedenfalls immer wieder mal schallend lachen müssen, und weiß, dass Krankenhäuser, Hospize keine lachfreien Zonen sein müssen. Im Gegenteil!

Ergänzt werden die Ausführungen in einem Anhang durch weiterführende Literatur, Filmtipps, Cartoons und Internetadressen zu speziellen und weiterführenden Themen. Das Buch ist fast ein MUSS für all diejenigen, die im Hospiz, im Krankenhaus tätig sind, egal in welcher Funktion. Und nicht zuletzt für diejenigen, denen „der Gedanke der Endlichkeit hilft, das Hier und Jetzt als eine Quelle von unmittelbarer Lebensfreude und heiterer Gelassenheit zu erkennen.“ Zahlreiche Übungsanleitungen geben die Möglichkeiten, an sich selbst die Probe aufs Exempel zu machen, was es mit der eigenen Fähigkeit zum Humor auf sich hat.

Harald-Alexander Korp, Am Ende ist nicht Schluss mit lustig. Humor angesichts von Sterben und Tod. Mit Karikaturen von Karl-Horst Möhl, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2014, 255 S., ISBN 978-3-579-07034-6

Datum: 5. November 2014
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5 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 6. November 2014 6:37
    1

    Das hört sich wirklich sehr gut an, im Sinne des Sprichworts: „Das Leben meistert man lächelnd oder gar nicht.“

    Ja, der Humor ist eine ganz tolle Stütze und Hilfe.

    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 6. November 2014 6:58
    2

    Ja, mit einer Prise Humor, einem Lächeln wird vieles leichter!
    Also: lächeln wir es an ;)

  3. Sonja | Donnerstag, 6. November 2014 14:06
    3

    Wieso gibt es noch keine Sterbepädagogen, die beispielsweise eingreifen, wenn im Hospiz nicht genug gelacht wird?
    Es klingt bitter, bin grad bisschen biestig :-(

  4. mona lisa | Donnerstag, 6. November 2014 22:47
    4

    Wer soll denn da noch erzogen werden?
    Und wer bestimmt, was nicht genug ist?!!

  5. Sonja | Freitag, 7. November 2014 17:23
    5

    Darauf kann ich nicht antworten, mein Einwurf entsprang einer gewissen Bitterkeit, muss zukünftig aufpassen, nicht echt zynisch zu werden. Menschlichkeit und Wärme sind angesagt, eigentlich auch bei mir.
    Gruß mit herzlich

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