Nachtgefühl

Wenn ich mich abends entkleide,
Gemachsam, Stück für Stück,
So tragen die müden Gedanken
Mich vorwärts oder zurück.

Ich denke der alten Tage,
Da zog die Mutter mich aus;
Sie legte mich still in die Wiege,
Die Winde brausten ums Haus.

Ich denke der letzten Stunde,
Da werden’s die Nachbarn tun;
Sie senken mich still in die Erde,
Dann werd ich lange ruhn.

Schließt nun der Schlaf mein Auge,
Wie träum ich so oftmals das:
Es wäre eins von beidem,
Nur wüßt‘ ich selber nicht, was.

(Friedrich Hebbel)

Datum: 2. November 2014
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Ein Kommentar

  1. Ingeborg | Sonntag, 2. November 2014 11:50
    1

    Wie schmerzhaft und wunderschön zugleich dieses gedicht das heimweh nach die Mutter aufruft.

    Liebe grüsse aus die Niederlande,
    Ingeborg.

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