Frühling

Die Bäume im Ofen lodern.
Die Vögel locken am Grill.
Die Sonnenschirme vermodern.
Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen
Die zarten Köpfchen hervor.
Bunt ranken sich künstliche Rosen
In Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,
Den Oberkellner bewegt,
Mir tausend Eier zu bringen,
Von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna
Verweht in ringelnder Spur.
Ich fühle an meiner Susanna
Erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,
Was kommt, nicht ist oder war.
Ein Frühlingsgedicht, geschrieben
Im kältesten Februar.

( Joachim Ringelnatz)

Datum: 2. März 2015
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4 Kommentare

  1. Quer | Montag, 2. März 2015 7:57
    1

    Ach, ist das schön! Ich vergöttere ihn dafür.

    Liebe Grüsse in den März hinein,
    Brigitte

  2. mona lisa | Montag, 2. März 2015 8:00
    2

    Zu lieben, was kommt.
    Das ist Hoffnung!
    Dir ebenfalls einen guten Märztag!

  3. Sonja | Montag, 2. März 2015 22:55
    3

    Grad seh ich dich vor mir: in einer sonnigen Ecke eine duftende Havanna rauchen! Du tust es nicht, ich weiß, aber allein dieses Bild…
    Gruß von Sonja

  4. mona lisa | Dienstag, 3. März 2015 8:46
    4

    Leider liegt im Moment ein wenig Schnee hier u. der Himmel ist ganz grau.
    Doch das Sitzen in einer sonnigen Ecke ist nahe …
    LbG

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