Judith W. Taschler, Roman ohne U

„Roman ohne U“ erzählt zwei dramatische Liebesgeschichten, die ineinander verwoben sind, also nicht chronologisch erzählt werden, und sich letztendlich als verzwickte und teilweise verwirrende Familiengeschichte herausstellt, die 1945 beginnt und 2013 endet.

Es ist die Liebesgeschichte von Thomas und Ludovica, die sich auf dem Weg in ihre sibirische Gefangenschaft kennenlernen und dort furchtbaren Grausamkeiten ausgesetzt sind, besonders weil sie zweimal – letztendlich erfolglos – geflohen sind. Thomas überlebt den Gulag, redet nicht über seine dortigen Erlebnisse, sondern schreibt sie auf. Der Roman ohne U entsteht. Denn die Schreibmaschine, die er benutzt hat kein U mehr.

Jahrzehnte später fallen Stephanie diese Aufzeichnungen in die Hände. Sie übergibt sie Katharina, die mit Julius verheiratet ist und mit ihm, ihren gemeinsamen vier Kindern und seinem Vater Arthur in der Bergmühle wohnt, damit Katharina die Biografie von Thomas Bergmüller aufschreibt – mit ungeahnten Folgen für alle Beteiligten.

Die verwickelte Handlungsführung erzeugt Spannung und die immer wiederkehrende Frage, ob und wie alles miteinander zusammenhängt. Die Kommentare des auktoralen Erzählers greifen steuernd in die Sichtweise des Lesers ein, etwas, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Insgesamt ist mir die Handlung zu konstruiert, zu unwahrscheinlich – obschon gerade das Leben die unmöglichsten Geschichten schreibt. So eine wird hier gekonnt erzählt.

Judith W. Taschler, Roman ohne U, Picus Verlag Wien 2015, 330 S., ISBN 978-3-7117-2018-4

Datum: 18. April 2015
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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