Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten

Das Handke-Stück „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“,
Regie Tiit Ojasoo & Ene-Liis Semper, eine Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg und den Ruhrfestspielen Recklinghausen, dauerte – ohne Pause – zweieinviertel Stunden, in denen pausenlos Menschen unterschiedlichster Art über die Bühne gingen, schritten, liefen, tanzten, schlichen, mit und ohne Kleidung, verschiedensten Reqisiten und Fortbewegungsmitteln.

Eigentlich war die gesamte Menschheit – angefangen bei Adam und Eva – mit ihrer Geschichte vorhanden, mit allen kulturellen, sozialen, religiösen Weltanschauungen, ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Eine Menschheit ohne Worte, denn keiner sprach, obwohl es nicht leise war. Die Darsteller gaben Laute von sich, brabbelten vor sich hin, gestikulierten wild, zart oder kaum wahrnehmbar, traten hörbar auf, stampften, stapften, trippelten vernehmbar. Doch in Zusammenhängen sprach keiner.

Es wurde gesungen – leider nicht immer verständlich, mit Absicht? Musik verschiedenster Stilrichtungen, Tänze diverser Epochen unterstrichen menschliche, kulturelle Vielfalt.

Das ganze Geschehen ereignete sich vor einer riesigen grauen Wand, was das Treiben davor in seiner Buntheit noch unterstrich. Dass die Mauer dann zwischendurch auch Klagemauer, Gefängnismauer war, die Trennung zwischen Mann und Frau in verschiedenen Religionen darstellte, war dann nicht weiter verwunderlich, aber ohne großen Bühnenumbau möglich.

Der Zuschauer war als „teilnehmender Beobachter“ sich selbst überlassen, seinen Gedanken, Assoziationen, Fragen, Vor-Urteilen angesichts der vielen dargestellten Situationen, Menschenansammlungen, Individuen, die dann doch eher wieder Typen verkörperten, die man in fast jeder Stadt kennt oder in den Medien gesehen hat.

Zweieinhalb Stunden – waren dann doch lang. Eine Pause wäre sicher nicht sinnvoll gewesen, doch sicher eine Kürzung.

Doch alles in allem: ein interessanter Theaterabend auf dem Recklinghäuser Hügel.

Datum: 16. Mai 2015
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2 Kommentare

  1. Quer | Sonntag, 17. Mai 2015 7:12
    1

    Sicher eine grosse Herausforderung fürs Publikum.

    Danke für die interessante Theaterkritik!
    Mit liebem Sonntagsgruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Sonntag, 17. Mai 2015 20:44
    2

    Groß-artig ;)

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