Helen FitzGerald, Ex

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„‚Sie müssen mir nur sagen, ob er es ist‘, sagte der Mann im weißen Kittel und hob das Laken hoch, das den Klumpen darunter bedeckte.“

Dieser ungewöhnliche Krimi beginnt mit der Identifikation einer Leiche anhand eines Penis, nicht etwa durch die Ehefrau des Getöteten, sondern durch seine Ex-Freundin, die beim Anblick beginnt zu kichern.

„Eindeutig nicht die beste Zeit zum Kichern. … Ich bin schon immer anfällig für diese unangemessenen Ausbrüche gewesen.“

Zwei Tage später wird Catrionia, von allen aber nur Cat genannt, verhaftet. Sie steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Joe Rossi. Ihr wird vorgeworfen, drei ehemalige Liebhaber ermordet und ihnen anschließend den Penis abgechnitten zu haben. Dass sie mit ihnen noch einmal – während einer Art „Verabschiedungstour“ von ihrem alten Leben – geschlafen hat, gibt sie ohne weiteres zu. Sie kann sich aber nicht mehr daran erinnern, was danach geschehen ist. In den schlimmsten Stunden in der Selbstmordzelle traut sie sich selbst zu, die Taten verübt zu haben.

Ihre Mutter und ihre Freundin Anna bemühen sich mit Hilfe einer Journalistin, den wirklichen Mörder zu finden, mit katastrophaler Konsequenz. Denn aus einer Profilierungssucht heraus entwickelt diese aus Interviews, diversen Unterlagen, Patientenakten das Portrait einer männerhassenden, verrückten, drogen- und alkoholabhängigen Psychopathin, der wirklich alles zuzutrauen ist. Cat gibt nach zunächst heftige. Widerstand auf. Sie schneidet sich die Pulsadern auf, kann aber gerettet werden. Und wundert sich, dass sie kurz darauf entlassen wird.

Dieser mit schwarzem Humor gespickte Kriminalroman, der kein Blatt vor den Mund nimmt, was gewisse Sexualpraktiken betrifft, beschreibt den Lebensweg einer jungen, ungewöhnlichen Frau auf der Suche nach sich selbst und einem Menschen, der sie wirklich liebt. Untiefen vermeintlicher Liebe werden sichtbar, was zur Spannung einer Handlung mit vielen unerwarteten Wendungen führt, es sei denn man liest von Anfang an sehr genau.

Helen FitzGerald, Ex, a.d.Engl. v. Steffen Jacobs, Galiani Verlag Berlin 2015, 239 S., ISBN 978-3-86971-081-5

Datum: 30. Mai 2015
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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