Wunderliches Wort

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem? –

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt –

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; –
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

(Rainer M. Rilke, aus dem Nachlaß des Grafen C. W.)

Datum: 28. Mai 2015
Themengebiet: Denk-Würdiges, Gedichte Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 28. Mai 2015 8:21
    1

    Der Rilke-Sound ist einfach etwas ganz Besonderes:
    zeitlos sternprächtig eben!

    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 28. Mai 2015 9:42
    2

    Genau das mag ich an seinen Gedichten.
    Liebe Grüße

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