Der Aufbruch

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: »Wohin reitet der Herr?« »Ich weiß es nicht«, sagte ich, »nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen.« »Du kennst also dein Ziel«, fragte er. »Ja«, antwortete ich, »ich sagte es doch: ›Weg-von-hier‹ – das ist mein Ziel.« »Du hast keinen Eßvorrat mit«, sagte er. »Ich brauche keinen«, sagte ich, »die Reise ist so lang, daß ich verhungern muß, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Eßvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.“

(Franz Kafka)

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Datum: 9. Juni 2015
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2 Kommentare

  1. Quer | Dienstag, 9. Juni 2015 8:17
    1

    Diese Reisen – meist sind es Kopfreisen – bis ans Ende der Welt. Ja, das sind ungeheure Reisen!

    Lieben Gruss ins Heute,
    Brigitte

  2. mona lisa | Dienstag, 9. Juni 2015 9:30
    2

    Ja, die Reisen im Kopf bis ins (tiefste) Innere hören nicht auf, sind Teil zumindest meines Lebens u. bieten wie alle Reisen viel, viel Abwechslung!
    Liebe Grüße

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