Zoran Drvenkar, Corinna Bernburg, Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln

Die Fotografin Corinna Bernburg fotografierte in Schwarz-Weiß ein Jahr lang jeden Tag, „was sie sieht, und nicht, was andere sie sehen lassen wollen.“ Der Schriftsteller Zoran Drvenkar hatte jeden Tag bis Mitternacht Zeit, zum Bild des Tages etwas zu schreiben. Das war die Absprache, das das Projekt.

Und das soll gut gehen? Ja, es ist! Auf jeden Fall!
Der erste Band – mit den Fotos im Zeitraum Juli bis Oktober – liegt nun vor.

Ich mag Schwarz-Weiß Foros mit unüblichen, ungewöhnlichen Ein-, An- und Aussichten. Schon das Blättern macht Freude, egal, ob man zuerst nur die Bilder ins Auge fasst, nur die Texte oder sich beides im Vergleich miteinander zu Gemüte führt. Sicher wird jeder Leser etwas finden, was ihn innehalten, still werden lässt, was ihn berührt:

image
© Corinna Bernburg

Dazu, der wohl kürzeste Text:

jan

er ist seit 7 jahren
unterwegs

immer der sonne
auf der spur

Wieviel „Reserve an Ungesagtem“ (Hilde Domin) enthalten Bild und Text, machen Platz für eigene Assziationen, Gefühle, Sehnsüchte.

Von Sehnsuche geleitet – nicht nur nach einem Du – ist auch der folgende Text:

on the road again

weil das leben
einen anfang
und ein ende hat
und es nichts bringt
auf das ende zu warten
wenn man woanders
neu anfangen kann

Es ist ein Bilderbuch für den Nachttisch – abends vorm Einschlafen oder morgens vorm Aufstehen – oder für einen Platz in der Wohnung, wo es aufgeschlagen liegen bleiben kann und zum täglichen Verweilen und Blättern einlädt.

Das Inhaltsverzeichnis gibt Hinweise auf die Texttitel, die jeweilige Seite verrät dann in einer Art Kalendarium das Aufnahmedatum und im Anhang gibt es – im Format früherer Kontaktaufnahmen – die Bilder noch einmal im Kleinformat mit Hinweisen zu Aufnahmeorten und Besonderheiten der Entstehung. Das alles zeugt von einer Liebe zum Detail, das den Band zu einem Kleinod macht und einen schon jetzt auf den Folgeband warten lässt.

Zoran Drvenkar, Corinna Bernburg, Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln, Fotos und Gedichte, cbj Verlag, München 2015, 199 S., ISBN 978-3-570-15909-5

Datum: 3. Juni 2015
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Quer | Mittwoch, 3. Juni 2015 7:06
    1

    Wunderbar! Ich habe schon von diesem spannenden Jahreszeitenbuch gehört.

    Danke für die Impressionen.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Mittwoch, 3. Juni 2015 7:51
    2

    Gern, es ist wirklich ein Buch, das Freude bereitet!

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