Hortensienzeit

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So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

(Rainer Maria Rilke)

Datum: 14. September 2015
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2 Kommentare

  1. Sonja | Mittwoch, 16. September 2015 12:11
    1

    Schönes Foto, gute Rilkezeilen dazu!
    Ich möchte mich so gerne ebenfalls „verneuen“!
    Gruß von Sonja

  2. mona lisa | Mittwoch, 16. September 2015 13:24
    2

    Wenn du weißt. wie ’s geht, dann sag‘ Bescheid ;)
    mit liebem Gruß!

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