Der Oktober

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Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter. Bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei’s zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen.
Hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?

Geh nicht wie mit fremden Füßen,
und als hätt’st du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Laß den Herbst nicht dafür büßen,
daß es Winter werden wird.

Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sind’s Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.

Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.

Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte Er’s.

(Erich Kästner)

Datum: 1. Oktober 2015
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4 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 1. Oktober 2015 6:51
    1

    Mit Kästner lasse ich mich gerne in den Oktober begleiten.
    Danke und lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 1. Oktober 2015 6:56
    2

    Ja, Kästner und Busch lese ich hin u. wieder gern. Sie verbreiten mit ihrer Art zu schreiben, meist gute Laune! Dir einen launigen Oktobertag!

  3. seelenruhig | Freitag, 2. Oktober 2015 5:36
    3

    Wie schön! Der „Oktober“ von Kästner! Danke!

  4. mona lisa | Freitag, 2. Oktober 2015 7:29
    4

    Gern, genieße du ihn am Bodensee,
    den Kästner u. den Oktober ;)
    Liebe Grüße

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