Peter Teuschel, Das schwarze Schaf in der Familie

Wussten Sie, dass es neben den „berühmten“ schwarzen Schafen auch bunte, leuchtend weiße Schafe und „Sonnenvögel“ gibt?

Diesen Bezeichnungen ist gemeinsam, dass es Namen für verschiedene Formen der „Benachteiligung und Ausgrenzung in der Familie“ sind, hinter denen sich menschliche Schicksale verbergen, die oft unbewusst, aber meist ihr Leben lang unter dieser besonderen Rolle in der Familie leiden. Sie führen ein überschattetes Leben, vielfach mit gravierenden Folgen für ihr Selbstwertgefühl.

„Ihr negatives Lebensgefühl beschreiben schwarze Schafe oft als ein diffuses Unwohlsein, eine Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit, die sie sich nicht erklären können. Im äußeren Umfeld ist oftmals alles in Ordnung, … Und dennoch fühlen sie sich in ihrer Haut nicht so recht wohl, sind unruhig, unzufrieden und frustriert. Es wäre Unfug zu behaupten, dass die hier geschilderten Einbußen an Lebensqualität und Behinderungen in der Lebensführung immer Folgen familiärer Ausgrenzung seien. … Aber im Laufe der letzten 20 Jahre habe ich so viele schwarze Schafe kennengelernt, dass ich von einem massiv unterschätzten Phänomen spreche.“

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In diesem, gut lesbaren Buch beschreibt Teuschel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die unterschiedlichen Ausprägungen des Gefühls, ein schwarzes Schaf zu sein, listet die diversen Arten des schwarzen Schafes auf, beschreibt den „Tatort Familie“ und macht die Auswirkungen auf das Lebens schwarzer Schafe deutlich.

Im letzten Kapitel „Impulse, Wege, Wackersteine“ zeigt er Möglichkeiten auf, mit der Wahrheit, ein schwarzes Schaf zu sein, anders als bisher zu leben, nämlich nicht mehr als Opfer, sondern als jemand, der sich seine Wahrheit und die damit verbundenen Schmerzen bewusst macht, als gegeben anerkennt und dann versucht, sein eigenes Leben zu gestalten und nach seinen (kreativen)Möglichkeiten Ausschau zu halten. Vor allem aber macht Teuschel darauf aufmerksam, dass Achtsamkeit, Geduld notwendig sind:
„Der Grund ist, dass die Erfahrungen, die das schwarze Schaf auf seinem Weg in die familiäre Benachteiligung gemacht hat, sich tief in seiner Seele eingenistet haben. Dort haben sie sich zu Einstellungen, Bewertungen und nicht mehr hinterfragten Grundannahmen entwickelt.
Der wahre Feind sitzt deshalb in uns selbst.“

Was, wer dabei helfen kann, wird nur skizziert. Das Nachwort enthält aber weiterführende Literatur.

Peter Teuschel, Das schwarze Schaf, Benachteiligung und Ausgrenzung in der Familie, Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 303 S., ISBN 978-3-608-94802-8

Datum: 5. Oktober 2015
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6 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 5. Oktober 2015 8:53
    1

    Ja, Achtsamkeit, viel Geduld, an sich Arbeiten, am besten mit Hilfe. Virginia Satir konnte bei manchen Menschen gut helfen, ihre Art der Familienrekonstruktion (nicht diese böse Nachmacherei von Hellingers Fam.stellen).
    Gruß von Sonja

  2. mona lisa | Montag, 5. Oktober 2015 9:25
    2

    Danke für deinen Kommentar. Hast du von Virginia Satir konkrete Titel zur Hand? Würde mich – auch im Hinblick auf meine Arbeit interessieren.
    Liebe Grüße u. einen guten Wochenstart!

  3. Sonja | Montag, 5. Oktober 2015 15:20
    3

    Es kommt etwas per Mail – und DAS hier ist auch gut:
    http://www.landsiedel-seminare.de/nlp/wichtige-personen/virginia-satir.html

  4. mona lisa | Dienstag, 6. Oktober 2015 6:33
    4

    Danke, ich werde es mir in Ruhe ansehen!
    Liebe Grüße

  5. Sonja | Mittwoch, 7. Oktober 2015 10:23
    5

    Wenn es interessiert, hier das Blog vom Autoren:

    http://www.blog.drteuschel.de/wordpress/

  6. mona lisa | Mittwoch, 7. Oktober 2015 14:40
    6

    Danke für diese Ergänzung! Sonja!
    Liebe Grüße

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