Die längste Reise

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Die längste Reise
ist die Reise nach innen.
Wer sein Los gewählt hat,
wer die Fahrt begann
zu seiner eigenen Tiefe
(gibt es denn Tiefe?) –
noch unter euch,
ist außerhalb der Gemeinschaft,
abgesondert in eurem Gefühl
gleich einem Sterbenden
oder wie einer, den der nahende Abschied
vorzeitig weiht
zu jeglicher Menschen endlicher Einsamkeit.

Zwischen euch und jenem ist Abstand,
ist Unsicherheit –
Rücksicht.

Selber wird er euch sehen
abgerückt, ferner,
immer schwächer eures Lockrufs
Stimme hören.

(Dag Hammarskjöld, Zeichen am Weg, Urachaus Verlag, S. 97)

Datum: 23. November 2015
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2 Kommentare

  1. Quer | Montag, 23. November 2015 10:56
    1

    Der Text macht ein wenig ratlos und auch traurig. Ob er wohl den letzten Weg in den Tod meint oder einfach die selbst gewählte Abgeschiedenheit des Einzelnen…

    Lieben Gruss zum Wochenbeginn,
    Brigitte

  2. mona lisa | Dienstag, 24. November 2015 7:18
    2

    Vielleicht schließt das eine das andere nicht aus, denn letztendlich führt jeder Weg – ob die Reise überwiegend nach Innen geführt hat oder im Außen geblieben ist – in den Tod.
    Ich denke aber, er hat schon die Einsamkeit desjenigen beschrieben, der den Weg in die eigene Tiefe gewählt hat. Das ist mit Gesellschaft oft nicht kompatibel.
    Dir einen angenehmen Tag.

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