Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer, Nabokov und das Glück

Mit diesem Erstlingswerk der Autorin hält man ein Buch in den Händen, das so außergewöhnlich ist, dass man es kaum beschreiben kann.
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Es ist eine Hommage an Vladimir Nabokov, im Buch nur VN genannt, an seine Texte, die die Autorin fasziniert haben, obwohl sie nie Bücherwurm war, im Gegenteil:

„BÜCHERLESEN WAR MIR NIE GEHEUER: Und doch erzähle ich hier die Geschichte einiger Bücher, die mein Leben verändert haben. Die Abenteuer, die ich mit ihnen erlebte, spielten sich nur in meiner Phantasie ab, zumindest anfänglich. … Ada schräg vor mir haltend, kämpfte ich mich durch die sonderbaren Sätze der ersten Seite. Nachdem sich die Buchstaben zu Wörtern gefügt hatten und allmählich einen gewissen Sinn ergaben, stellte die verwirrende Topografie des Absatzes die nächste Hürde dar.“

Doch die Autorin nimmt die Hürden mit immer größerer Begeisterung. Das Buch ist ihre persönliche Rezeptionsgeschichte, gleichzeitig Rezension der Schriften Nabokovs und seiner Romane, verwoben mit seiner Biografie und dazu geführten Interviews mit dessen Sohn Dmitri. Es wendet sich seitenweise direkt an den Leser, imaginiert dessen Lektüre des „Zauberers“, um dann aus der Ich-Perspektive weitergeschrieben zu werden. Die Autorin stellt immer wieder Reflexionen über die Wirkung von Wörtern an:

„Es gibt Wörter, die entzücken und verzücken, schillern und schimmern wie Sterne in einer durchsichtigen Nacht, lichtglitzernde Gestirne, die das Auge bis dato unentdeckten Himmelskörpern locken. Hier nun ein paar flüchtige Schimmer, die mir entgegenfunkeln wie Blattgold auf illuminierten Handschriften.“

Und pickt sich anschließend einige aus Nabokows Werken heraus, die ihre Neugier entfacht haben und deren Faszination sie dann beschreibt.

Azurblaustreifen
„Phantastische, wahnwitzige Strapazen, die mich erschlafft und mit azurblauen Streifen über dem Körper zurückließen.“ (Lolita)
Närrische Bänder blauen Nebels um das Kleinhirn wallend.“

Wohl wissend, dass sie „für manche … stumm bleiben werden – lediglich Buchstaben, die einander ignorieren.“

Der Autorin ist ein faszinierendes Buch gelungen für diejenigen, die Spaß an Sprache haben, sich vorstellen und auch nachvollziehen können, dass der „Zoo der Worte Tortur und Amüsement“ gleichzeitig sein und Glück bedeuten kann:

„Denn man musste sich in den „Zoo der Worte“ begeben: bockige Substantive, gefleckte Adjektive, brüllende Attribute, prahlende Verben, die Hufe der Satzzeichen, das geräuschvolle Mampfen der Einzelheiten, die „Krallen und Schwingen“ der Romane.“

Für sie ist Nabokow ein Schriftsteller, der „Planeten rotieren lässt“ und E K S T A T I S C H Prosa schreibt. Ihre Begeisterung teilt sie mit den Lesern, die sich der Herausforderung dieser Lektüre stellen. Lila Azam Zanganeh ist ein faszinierendes, außergewöhnliches Buch gelungen. Und ich würde einen Roman von ihr, sollte es ihn vielleicht demnächst geben, sofort lesen wollen.

Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer, Nabokov und das Glück, a.d. Engl. von Susann Urban, Edition Büchergilde, Frankfurt/M 2015, ISBN 978-3-86406-056-4

Datum: 1. November 2015
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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3 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 2. November 2015 11:45
    1

    Die ganze Buchbesprechung gefällt mir. Ganz besonders das so ansprechend gestaltete Foto vom Buch auf dem Aprilkalenderblatt mit Handschriftsachen :-)
    Gruß von Sonja

  2. seelenruhig | Montag, 2. November 2015 17:27
    2

    oh das kling tin der Tat sehr sehr interessant und vielversprechend. Das Foto verzaubert.
    Danke! Grüße von Ellen

  3. mona lisa | Dienstag, 3. November 2015 7:05
    3

    Ja, das Buch ist zauberhaft, aber auch herausfordernd!
    Danke euch beiden für eure Rückmeldungen!
    Euch ebenfalls einen zauberhaften 3. November!!

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