Thees Uhlmann, Sophia, der Tod und ich

Schon wieder ein Buch über den Tod? Ja, warum nicht, der Tod gehört zum Leben, hat immer Konjunktur und kommt auf unterschiedliche Art im eigenen Leben vor, ob man will oder nicht.

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Mit einem Klingeln an der Wohnungstür fängt alles an. Der Ich-Erzähler öffnet, obschon er keine Lust dazu hat, denn er hat niemanden, der bei ihm klingeln könnte.

Ich:“Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?“ …
Er: „Guten Tag. Eigentlich können Sie mir gar nicht helfen. Ich bin der Tod, und Sie müssen jetzt mitkommen.“
Ich: „Ja, dann warten Sie kurz. Ich pack nur noch schnell meine Sachen und komm dann!“ …
„Oh einer der Humorvollen! Wundervoll. Noch nie gehört den Witz. Sie haben jetzt noch drei Minuten Zeit, um über alles nachzudenken. Wenn Sie jemanden anrufen oder schreien, sterben Sie sofort.“

Der Ich-Erzähler lässt den Tod in seine Wohnung und geht ins Bad, der Tod folgt. Dann klingelt es erneut an der Tür, was den Tod zunächst völlig aus dem Konzept bringt. Denn das ist in seiner Dramaturgie nicht vorgesehen. Spontan erwidert er dann aber: „Wir machen jetzt die Tür auf. Endlich mal Leben in der Bude.“ Und der Tod lässt sich auf das ihm völlig unbekannte Leben ein. Der Ich-Erzähler ist ihm – zunächst jedenfalls – „von der Schippe gesprungen“.

Vor der Tür steht die Ex-Freundin Sophia, mit der er verabredet ist, seine Mutter zu besuchen, was er völlig vergessen hat.

Und dann beginnen sie zu dritt eine ungewöhnliche Reise, auf der der Tod das Leben, auf jeden Fall das komplizierte Leben des Ich-Erzählers, kennenlernt und der Ich-Erzähler mehr über den Tod und dessen Arbeit erfährt.

Sie fahren zuerst zu seiner Mutter und dann später zu seinem Sohn Jonny, dem er stets Postkarten schreibt, weil ihm der Umgang mit dem Kind von dessen Mutter untersagt worden ist. Ihn möchte er vor seinem Tod, in dessen Begleitung, noch einmal sehen. Und er erlebt noch einiges mehr vor seinem Tod, was ihm dann letztendlich mehr wert und teuer ist als die spontan gewünschte Million.

Die Aussage des Todes bewahrheitet sich:
„Es gibt so viele schöne Dinge auf der Welt wie Moleküle, und jeder vierte Trottel wünscht sich eine Million.“

Die Komik und der Humor der Geschichte entwickeln sich zum Teil aus den Bedingungen dieses Länger-Lebens: Der Tod darf sich nicht vorstellen, weil sonst derjenige, dem er sich vorstellt, auch sterben muss, obwohl er eigentlich noch nicht „dran“ ist. Der Tod darf nie länger als drei Minuten von jemandem umarmt werden, während der Ich-Erzähler sich nicht mehr als vierhundert Meter vom Tod entfernen darf. Das alles wissen aber nur der Ich-Erzähler und der Tod, die anderen Beteiligten nicht.

“ ‚Unsere Sache ist so eng miteinander verbunden, dass unsere Wege sich nicht trennen können‘, nickte der Tod begeistert, weil ich langsam verstand und begann, seine Regeln zu erahnen.“ Es kommt immer wieder zu äußerst komischen Situationen und Dialogen.

Der Roman ist eine ungewöhnliche, humorvolle Hommage an das Leben, ziemlich flapsig geschrieben. Nicht der erhobene Zeigefinger lässt einen über den Wert des eigenen Lebens nachdenken, sondern das Lachen, das einem beim Lesen immer wieder entlockt wird.

Thees Uhlmann, Sophia, der Tod und ich, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, 318 S., ISBN 978-3-462-04793-6

Datum: 15. Dezember 2015
Themengebiet: Allgemein Trackback: Trackback-URL
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