Blaue Stunde

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Ich trete in die dunkelblaue Stunde –
da ist der Flur, die Kette schließt sich zu
und nun im Raum ein Rot auf einem Munde
und eine Schale später Rosen – Du!

Wir wissen beide, jene Worte,
die jeder oft zu anderen sprach und trug,
sind zwischen uns wie nichts und fehl am Orte:
dies ist das Ganze und der letzte Zug.

Das Schweigende ist so weit fortgeschritten
und füllt den Raum und denkt sich selber zu
die Stunde – nichts gehofft und nichts gelitten –
mit ihrer Schale später Rosen – Du.

(der erste Teil des Gedichts, Blaue Stunde von Gottfried Benn)

Datum: 15. Januar 2016
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3 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 15. Januar 2016 7:37
    1

    So schön wie beklemmend, das Gedicht und das geheimnisvolle Bild.

    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. seelenruhig | Samstag, 16. Januar 2016 6:02
    2

    Benn ist nicht etwas für alle Tage…. Aber er war ein großartiger Dichter. Das Foto ist wunderbar!

  3. mona lisa | Samstag, 16. Januar 2016 8:41
    3

    Ja, es muss ja auch etwas für besondere Tage geben ;)
    Danke fürs Lob!

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