Andreas Altmann, Frauen.Geschichten

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Altmann selbst bezeichnet dieses Buch als „Ode an die Schönheit“. Es ist zugleich auch eine Ode an das Leben, das lebendige, unmittelbare, von vermeintlich moralischen Vorschriften freie Leben.

Ein Aphorismus von Georg Lichtenberg ist dem Buch vorangestellt:
„Je länger ich über Frauen nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass sie das Beste sind, was wir in dieser Art haben.“

In Altmanns Leben ist die Frau „Grundnahrungsmittel. Für meine Seele, für den Leib. Für alles, was ich bin. Es scheint, ach, es ist unersetzbar.“ Für ihn sind Frauen demnach unverzichtbarer Bestandteil seines Lebens, aber seines Lebens. Es gibt offensichtlich nur zeitweilig so etwas wie ein „Wir“.

Er lässt sich nicht von Frauen vereinnahmen, die aus seiner Sicht – dummerweise – das Heil beim Mann suchen und dafür bereit sind, sich, ihre Träume, ihre Freiheit aufzugeben. Er lebt sein Leben in Freiheit und hat seine Gründe dafür, die sicher auch mit den Erfahrungen in seinem Elternhaus zu tun haben.

So hat er seiner Mutter dieses Buch gewidmet: Die so begabt jedem Glück aus dem Weg ging.

Altmann erzählt nur von den Frauen, mit denen für ihn eine erzählenswerte Geschichte verbunden ist, die anderen sind nicht erwähnenswert. Doch auch so sind es eine Menge Frauen, von denen wir erfahren. Es sind schöne, beglückende, niederschmetternde Erfahrungen, die er gemacht hat.

Nie macht er die Frauen für seine Gefühle, sein „Versagen“ verantwortlich. Sie sind für ihn vielmehr Möglichkeiten, Erfahrungen zu machen, sich selbst zu erfahren, in seiner Lebendigkeit, seiner Eingeschränktheit und Begrenztheit. Denn seine traumatischen Erfahrungen in seiner Kindheit und Jugend, die er in seinem Buch vom „Scheißleben“ ausführlich geschildert hat, werden in den Begegnungen mit Frauen immer mal wieder virulent.

Die „Schreibe“ dieses Autors muss man mögen und auch seine Offenheit, die „Dinge beim Namen zu nennen“. Dann ist es eine vergnügliche Lektüre. „Moralapostel“ und ähnlich Denkende sollten die Finger von diesem Buch lassen, es sei denn, sie haben einen zu niedrigen Blutdruck, der dann beim Lesen sicher in die Höhe schnellen wird.

Andreas Altmann, Frauen.Geschichten, München 2015, 332 S., ISBN 978-3-492-05588-8

Datum: 1. Februar 2016
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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6 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 1. Februar 2016 17:27
    1

    Der letzte Satz der Rezension ist „Hammer“ – und es ist, wie bei allen männlichen „Genies“! Ich meine, wie sie mit Frauen umgehen, was sie von Frauen halten – sogar von denen, die ihnen permanent den Rücken stärken durch kostenloses Wirken und Selbstverleugnung. Von solchen Damen ist hier sicher weniger die Rede, mit denen hätte der A. A. sich nicht abgegeben…
    Gruß von Sonja

  2. mona lisa | Dienstag, 2. Februar 2016 5:55
    2

    Was an dem Satz ist für dich der „Hammer“ – habe ich nicht wirklich verstanden.
    Liebe Grüße

  3. Quer | Dienstag, 2. Februar 2016 7:25
    3

    Herrlich, wie du das Buch und den Autor beschreibst! Das nimmt einen sehr für diese Schreibe ein. :-)

    Lieben Gruss in den Tag,
    Brigitte

  4. mona lisa | Dienstag, 2. Februar 2016 9:34
    4

    Ja, an ihm scheiden sich sicherlich die Geister.Die Bücher, die ich von ihm gelesen habe, haben mir gefallen.
    Sind allerdings speziell!

  5. Sonja | Freitag, 5. Februar 2016 11:34
    5

    „Hammer“ ist für mich das mit dem hochschnellenden Blutdruck! Deine exzellente Formulierung!

  6. mona lisa | Samstag, 6. Februar 2016 19:36
    6

    Dank dir Sonja!
    Dir ein fröhliches WE!

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