Michaela Vieser, Irmela Schautz, Für immer und jetzt

„Verliebt, verlobt, verheiratet, so heißt das Spiel zu zweit“ sangen einst Peter Alexander und Conny Froboess. Dieses Lied fiel mir beim Lesen dieses Buches immer wieder ein.

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„Wie man hier und anderswo die Liebe feiert“ kann man in diesem Buch erfahren. Es beschäftigt sich mit der oft so unterschiedlich ausgeprägten und gelebten Liebe zweier Menschen in verschiedenen Kulturen und Gesellschaften und nimmt den Leser mit auf eine spannende und informative Reise durch die Kontinente. Der leitende Aspekt ist, wie Menschen sich kennen- und lieben lernen, um dann miteinander – meist möglichst bis ins hohe Alter – zusammenzuleben und welche Rituale, Gebräuche, Mahlzeiten und Nahrungsmittel dazu gehören.

Die Reise beginnt mit dem Kennenlernen, mit der in Niederösterreich bekannten Sitte, sich als Mädchen beim Tanz einen Apfelschnitz in die Achselhöhle zu stecken, um sie „dem Burschen ihrer Wahl zu essen zu geben“. Dieser Brauch trägt dem Faktum Rechnung, dass Liebende sich gut riechen können sollten.

Da ist von Maiklubs die Rede, die nur einen Monat existieren und die Versteigerungen junger Mädchen an junge Burschen zum Ziel hat. Die mancherorts auch heute noch üblichen Entführungen werden ebenfalls unter gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten dargestellt, stets interessant illustriert von Irmela Schautz.

Jedes Kapitel endet mit Vorschlägen, die vorher dargestellten Sitten und Gebräuche auf unsere westliche Gesellschaft zu übertragen, vor allem aber enden sie mit den entsprechenden Rezepten für die Gerichte und Getränke, von denen zuvor die Rede gewesen ist.

Das Buch ist eine Fundgrube in Sachen Liebe, Sexualität und Genuß, wobei mir mache der dargestellten Sitten eher den Appetit verschlagen haben und mir deutlich gemacht haben, dass es hier im Westen doch freier möglich ist, sich einen Partner zu suchen. Einfacher ist es sicher nicht, aber zunehmend gleichberechtigter.

Müsste oder dürfte ich einen Brauch übernehmen, so wäre es vielleicht die „Besuchsehe“ beim Volk der Mosuo, in der die Männer in den Familien ihrer Mütter bleiben und nur nachts die Frauen besuche , die ihnen gefallen. Die Frauen ihrerseits empfangen auch nur die Männer, die ihnen gefallen, und zwar in in ihren „Blütenzimmern“. Mädchen bekommen diese Zimmer zugeteilt, „sobald sie sich dazu bereit fühlen, Männer zu empfangen.“ Kinder, die aus diesen Verbindungen entstehen, werden im Familienclan der Frauen aufgezogen, völlig losgelöst von der Frage, wer der Vater ist.

Schade ist nur, dass dieses reichhaltige Buch kein Inhaltsverzeichnis hat, es würde die Suche nach bestimmten den Kapiteln erleichtern. Dabei müsste nur das Quellenverzeichnis mit Seitenzahlen bestückt werden. Vielleicht bei einer Neuauflage möglich?!

„Für immer und jetzt“ ist eventuell ein noch schnell zu besorgendes Geschenk für den morgigen Valentinstag, ebenfalls ein Tag der vielerorts der Liebe gewidmet ist, wenn auch stark kommerzialisiert. Aber das ist ein anderes Thema.

Michaela Vieser, Irmela Schautz, Für immer und jetzt. Wie man die Liebe hier und anderswo feiert. Verlag Antje Kunstmann München 2016, 207 S., ISBN 978-3-95614-064-8

Datum: 13. Februar 2016
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7 Kommentare

  1. Sonja | Samstag, 13. Februar 2016 13:07
    1

    Was mich einzig daran interessieren würde: die Besuchsehe.
    Schönes Modell.
    Interessanter find ich das Interview mit einer patenten Scheidungsanwältin im Magazin der SZ.
    Heftig realistisch!
    Gruß von Sonja

  2. Quer | Sonntag, 14. Februar 2016 6:55
    2

    Wo die Liebe so hinfällt, kommt mir dabei in den Sinn. Spannend was sich auf der Welt in Sachen Liebeswerbung tut. Obwohl ich froh bin, die „Versuchsreihe“ glücklich hinter mir zu wissen… ;.)
    Und der Valentinstag ist auch so ein Brauch, bei dem man sich fragt, ob es den braucht…

    Lieben Sonntagsgruss,
    Brigitte

  3. mona lisa | Sonntag, 14. Februar 2016 7:25
    3

    @ Quer
    Ich hab‘ mich bei einigen Bräuchen sowieso gefragt, was das mit Liebe zu zu tun haben soll. Vor allem werden Frauen selten gefragt, ob es für sie gut ist. 1 Billion Rising liegt mir da näher als den Valentinstag zu feiern ;)
    Dennoch war die Lektüre interessant.
    Dir einen feinen Sonntag!

  4. mona lisa | Sonntag, 14. Februar 2016 7:29
    4

    @ Sonja
    Kann ein sehr entlastendes Modell sein. Sicher aber nur in Großfamilien möglich. Da wird’s dannananderen Stellen problematisch. Gibt’s den von dir angesprochenen Artikel auch online?
    Dir ebenfalls einen schönen Sonntag.

  5. Sonja | Sonntag, 14. Februar 2016 11:15
    5

    Werde mal schauen, ob und wann es das Interview mit der taffen Anwältin online gibt- melde mich dann! Sonntagsgruß zu dir

  6. mona lisa | Sonntag, 14. Februar 2016 17:12
    6

    Gern, danke!

  7. Sonja | Montag, 15. Februar 2016 9:32
    7

    Hier ist das Interview:

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44191/Im-Gesetz-steht-von-Liebe-kein-Wort

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