Trostbriefe

„… wir dürfen die zwei Jahre dazwischen (Geburt und Tod der kleinen Tochter) nicht aus unserem Gedächtnis tilgen, sollten diese Zeit vielmehr als ein Geschenk, einen Genuss betrachten und zu den Freuden rechnen, die deswegen, weil sie kurz waren, doch nie und nimmer für ein großes Übel zu halten sind. Wenn das Glück uns das, was wir erhofften, nicht hinzugewährte (ein längeres Leben der Tochter), dürfen wir darum für das, was es uns vergönnt hat, nicht undankbar sein. Ist doch auch sonst das Jasagen zum göttlichen (natürlichen) Walten und die von Vorwürfen freie Versöhntheit mit dem Schicksal immer etwas Schönes, was süße Frucht trägt; und erst recht in solchen Trauerfällen wird es dem, der sich am meisten der Erinnerung ans Gute hingibt und sich den Lichtseiten und strahlenden Augenblicken des Lebens zuwendet, statt den Geist auf das Düstere und Verstörende zu richten, am ehesten gelingen, entweder den Schmerz ganz auszulöschen oder ihn doch durch Beimischung seines Gegenteils zu verringern und zu dämpfen. Wie Myrrhenöl zwar immer angenehm riecht, besonders aber gegen schlechte Gerüche hilft, so übernimmt das Zurückdenken ans erlebte Gute grade in der Not die Aufgabe eines unentbehrlichen Beistandes …“

(aus dem Trostbrief eines Plutarchen an seine Frau nach dem Tod der zweijährigen Tochter, gefunden bei: Maß und Mitte)

Datum: 9. April 2016
Themengebiet: Allgemein, Aufgelesen, Zitate Trackback: Trackback-URL
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