Der Mai

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Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

(Erich Kästner)

Datum: 1. Mai 2016
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2 Kommentare

  1. Quer | Montag, 2. Mai 2016 7:08
    1

    Wunderbar! Und bald gesellt sich nun auch wieder die Sonne dazu. Und das Glück tut hoffentlich nicht wirklich weh…

    Alles Liebe in den Wonnemonat!
    Und schönen Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Montag, 2. Mai 2016 7:13
    2

    Die hat sich gestern schon noch ziemlich lange gezeigt ☀️
    Glück tut nicht weh, erst wenn’s unwiederbringlich vorbei ist. Dann darf man aber offen sein für neues.
    Liebe Grüße

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