Zum Muttertag – post mortem

Ich danke dir,
dass du mich unter (Lebens-)Gefahr geboren,
dass du mich nach deinen Kräften behütet und versorgt hast,
dass ich lernen und studieren durfte – obwohl ich ein Mädchen war.

Gewünscht hätte ich mir Anerkennung auch da,
wo ich deinen Vorstellungen und Erwartungen nicht entsprach,
weil ich anders war als du
oder vielleicht auch nur den Mut hatte,
anders zu leben,
andere Wege zu gehen,
als die,
die du gewählt hattest
für dich
und für mich.

Es tut mir Leid,
dass ich für dich in vielerlei Hinsicht
Zumutung und Enttäuschung war.

Ich war offensichtlich nicht die Tochter,
die du dir gewünscht hattest,
die du vielleicht gebraucht hättest.

Die konnte und wollte ich
irgendwann nicht mehr sein.

Der Preis für mein Dasein und Sosein
war sehr hoch.

(© mona lisa)

Datum: 8. Mai 2016
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3 Kommentare

  1. Gabriela | Sonntag, 8. Mai 2016 14:26
    1

    Hast du im Herzen Frieden schliessen können, ganz und gar? Und als sie für immer ging, hast du vorher noch aussprechen können, was zwischen euch stand?

    Nachdenklich, herzlich, selber Tochter, selber Mutter….

    Gabriela

  2. mona lisa | Sonntag, 8. Mai 2016 16:15
    2

    Ja, das habe ich gekonnt u. darüber bin ich froh.
    Gemeinsam klären konnten wir kaum mehr etwas, war für mich auch nicht mehr notwendig.
    Ich bin dabei, sie in ihrem Sosein zu lassen.
    Liebe Grüße

  3. Gabriela | Sonntag, 8. Mai 2016 19:40
    3

    danke für deine Offenheit. Es macht Mut, das zu hören.

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