„Das Für-uns-selbst-Gelassensein“

„Das Für-uns-selbst-Gelassensein, den ganzen Tag, unter vielen Kindern“, das hat Norbert Grstein in seiner Kindheit als etwas Wunderbares empfunden.

Ging mir ähnlich. Unbeaufsichtigt – zumindest von der Mutter – toben zu können, wo auch immer das möglich war, immer auf der Hut vor granteligen Nachbarn – Tanten und Onkel genannt – die ein Auge auf uns hatten – und dennoch. Es war immer einer zum Spielen da.

Oder einige Erwachsene, denen man bei der Arbeit zuschauen und ein wenig helfen konnte. Da gab es eine Hutmacherin, einen Blumenladen, in dem ich gelernt habe, Kränze zu binden. Mit der Blumenzustellung habe ich mir auch ein wenig Taschengeld verdienen können.

Und mein Opa, der Schreiner war und eine eigene Werkstatt besaß. Dort war ich immer willkommen. Ich durfte hobeln, sägen, vorsichtig über Furniere streichen und zusehen, wie lackiert wurde. Der Duft dieser Schreinerei ist mir heute noch gegenwärtig und mein Wortschatz hat sich damals mächtig erweitert: Zargen, Dübel, Hobel, Stecheisen ….

Zuhause musste man sein, wenn es dunkel wurde. Es sei denn, man hatte im Haushalt noch Pflichten zu erledigen.

Meine Kinder hatten neben dem eigenen Garten, der Straße vorm Haus noch den Wald hinterm Haus zur Verfügung und mit zunehmendem Alter weitete sich ihre „Spielwiese“ aus, ein Bach, ein Fluß gehörten mit dazu und selbstverständlich der Fussballplatz.

Nicht selten habe ich gedacht:
Dreckig, aber glücklich, wenn sie nach Hause kamen.
Aber besser die Waschmaschine strapazieren als Geld in die Apotheke bringen.
Es war gut, dass sie so aufwachsen konnten. Dafür bin ich dankbar.

Datum: 2. Juli 2016
Themengebiet: Allgemein, Alltägliches, Aufgeschnappt Trackback: Trackback-URL
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5 Kommentare

  1. Sonja | Samstag, 2. Juli 2016 13:42
    1

    So kenn ich das auch!
    Der beste Spielplatz war unser Hof, da kamen auch viele andere Kinder hin um beispielsweise die Hühner spazieren zu tragen oder für Ameisen Wege und Brückchen zu bauen. Einige wenige feine Mädelchen durften nur einmal kommen, weil sie ein Fleckchen im Oilylykleidchen hatten, ha.

  2. mona lisa | Samstag, 2. Juli 2016 15:55
    2

    Die gab’s damals schon?

  3. Sonja | Samstag, 2. Juli 2016 21:03
    3

    Ja, gab es. Eben mal nachgelesen: die Geschichte der niederländischen Firma begann 1963…die hübschen bunten Sachen hatten meine Kinder nicht an, höchstens mal was gebrauchtes…

  4. Quer | Sonntag, 3. Juli 2016 7:37
    4

    So muss eine glückliche Kindheit sein – und ich hatte auch eine solche: immer in kleinen „Banden“ unterwegs, neugierig, entdeckerfreudig und voller Leben. Überbehütet waren wir damals noch nicht…

    Schöne Erinnerungen kommen da hoch.
    Lieben Sonntagsgruss,
    Brigitte

  5. mona lisa | Sonntag, 3. Juli 2016 14:34
    5

    Überbehütetsein verhindert
    – eigene Erfahrungen zu machen
    – aus Fehlern zu lernen
    – das Eigene zu entdecken …
    Dir auch einen schönen Sonntag

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