Elizabeth von Arnim, Elizabeth und ihr Garten

Durch die Sendung „Lesezeichen“ des WDR 3 bin ich auf diesen Roman aufmerksam geworden. Sprache und Inhalt haben mich angesprochen, so dass ich mir den 1898 anonym erschienenen Roman gekauft und gelesen habe.

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Die Lektüre macht nachvollziehbar, weshalb er anonym erschienen ist. Mit Ironie, Witz und großer Offenheit macht er sowohl die damalige private und gesellschaftliche Situation der Autorin, aber auch der Frauen allgemein deutlich. Die männlichen Perspektive wird repräsentiert durch ihren Ehemann, durchgängig nur der „Grimmige“ genannt, stets kommentiert durch die Ich-Erzählerin, mal ironisch, sarkastisch, humorvoll,…:

„Der Grimmige, der ansonsten recht schweigsam ist, gleicht das von Zeit zu Zeit aus, indem er unnötig lange Reden hält. … ‚was gibt es denn nun, rein sachlich gesprochen, was euch von Kindern unterscheidet? Ihr seid älter, aber nicht weiser – ja nicht einmal so weise, denn mit den Jahren verliert ihr den gesunden Menschenverstand, den ihr als Kinder noch hattet. Habt ihr je gehört, daß sich eine Gruppe von Frauen vernünftig miteinander unterhalten hätte?'“

Er gibt Frauen den „guten Rat“:

„Studieren Sie die Kunst, durch Kleidung und Auftreten zu gefallen, solange Sie im Alter sind, uns zu interessieren, und vor allem sollten Frauen, ob hübsch oder weniger hübsch, verheiratet oder nicht, die Kunst des Kochens studieren. Wenn Sie eine Könnerin in der Küche sind, werden Sie immer hoch geschätzt.“

Seine Frau legt auf all das keinen Wert. Sie lebt und denkt im Rahmen ihrer Möglichkeiten eigenständig und entzieht sich oftmals den Anweisungen ihres Mannes. Ihr Garten ist ihr Refugium und der Ort, an dem sie gern liest, allein sein kann, Stille erlebt und ihre Vorstellungen von einem Garten verwirklichen kann. Einst Wüstenei, beginnt sie den Garten zu planen. Sie liest (Garten-) Bücher, macht Pläne und kauft Samen und Pflanzen von ihrem Geld, denn der Grimmige hält von ihrem Hobby nichts.

Auf der einen Seite fühlt sie sich den damaligen Vorstellungen von dem, was eine Frau kann und darf, verpflichtet:

„Wenn ich doch nur selbst graben und pflanzen könnte! Um wieviel leichter wäre es und faszinierend, die Löcher selbst machen zu können, genau dort, wo man sie haben will, und dann die Pflanzen ganz Belieben einzusetzen, statt Anordnungen zu geben, die nur halb verstanden werden.“

Doch dann büxt sie immer wieder aus und tut was ihr gefällt:

So schleicht sie sich an einem Sonntag in den Garten „doppelt sicher vor dem Gärtner durch den Feiertag und die Essenszeit, mit einem Spaten und einer Hake hinaus und hob fieberhaft ein kleines Stück Boden aus, wühlte die Erde um, säte heimlich Prunkwinden und rannte völlig überhitzt und schuldbewußt wieder zurück ins Haus,ließ mich in einen Sessel fallen, hinter ein Buch verschanzt, und setze eine gleichgültige Miene auf, gerade noch rechtzeitig, um meinen guten Ruf zu retten.“

Sie fühlt und schätzt sich glücklich mit ihrem Garten, den Büchern, ihren Kindern, die sie liebevoll nach ihren Geburtsmonaten benennt und der Möglichkeit „all das zu genießen. Meine Bekannten in der Stadt empfinden dies als Gefangenschaft und Begrabensein … und würden die Luft zerreißen mit ihren gequälten Schreien, wenn sie zu solch einem Leben verdammt wären.“

Dennoch sehnt sie sich nach Menschen, die – zumindest ab und zu – mir ihr diese Freuden teilen, sie mitempfinden können, statt die Stille mit ihrem dummen Geschwätz zu zerstören. Sie entwickelt rege Phantasie und Kreativität, wie sie diese Menschen möglichst schnell wieder los werden oder verhindern kann, dass sie überhaupt kommen.

Insgesamt: Ein herrlich amüsanter Roman, vor allem, wenn man ähnlich über den eigenen Garten denkt und den Roman auch dort bei herrlichstem Sommerwetter lesen kann. Sicher aber auch ein Roman, der auch in dunklen Jahreszeit Lust auf Garten macht, und der einen froh sein lässt, dass Frauen heute – zumindest in diesen Breitengraden – selbstbestimmter leben und arbeiten können als zur Zeit Elizabeth von Arnim.

Elizabeth von Arnim, Elizabeth und ihr Garten, Roman, a.d.Engl. v. Adelheid Dormagen, 3.Aufl. Berlin 2013, 131 S., ISBN 978-3-458-35832-9

Datum: 28. Juli 2016
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4 Kommentare

  1. seelenruhig | Freitag, 29. Juli 2016 6:14
    1

    Tolle Frau -wäre in unserer (oder anderer) Zeit wohl besser aufgehoben gewesen??!

  2. mona lisa | Freitag, 29. Juli 2016 7:22
    2

    Bestimmt ;)

  3. Sonja | Freitag, 29. Juli 2016 22:11
    3

    Sehr schön! Besonders die Stelle, dass sie auf gleich Empfindsame hofft, Menschen, die ihre geliebte Stille nicht mit dummem Geschwätz zerstören!
    Gruß von Sonja

  4. mona lisa | Samstag, 30. Juli 2016 9:54
    4

    Da hat sie mir echt aus der Seele gesprochen ;)
    Liebe Grüße!

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