Schönheit und Hässlichkeit

»Eines Tages trafen sich die Schönheit und die Hässlichkeit am Ufer des Meeres. Und sie sagten zueinander: ›Baden wir im Meer.‹

Dann entkleideten sie sich und tauchten in die Fluten.

Nach einer Weile kam die Hässlichkeit wieder ans Ufer, legte das Gewand der Schönheit an und ging ihres Weges. Und auch die Schönheit stieg aus dem Wasser, doch sie fand ihr Gewand nicht, und da sie sich scheute, nackt zu gehen, legte sie die Kleider der Hässlichkeit an. Und auch die Schönheit ging ihres Weges.

Bis zu heutigen Tag verwechseln die Menschen die eine mit der anderen.

Doch manche gibt’s, die das Angesicht der Schönheit geschaut haben, und die erkennen sie ungeachtet ihres Gewands. Und manche gibt’s, die das Antlitz der Hässlichkeit kennen, und das Tuch verbirgt sie nicht vor ihren Augen.«

(Khalil Gibran, Wanderer)

Datum: 18. August 2016
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3 Kommentare

  1. Quer | Sonntag, 21. August 2016 5:43
    1

    Das gefällt mir unglaublich gut!
    Ja, es würde sich lohnen, immer gut hinzusehen und nicht mit einem Blick abzuqualifizieren.
    Ein sehr anschaulicher und anregender Text: danke!

    Lieben Sonntagsgruss,
    Brigitte

  2. seelenruhig | Montag, 22. August 2016 15:19
    2

    Danke dafür. Das kannte ich gar nicht und finde es toll! Es lohnt sich immer genauer hinzusehen1!

  3. mona lisa | Dienstag, 23. August 2016 6:39
    3

    Genauer hinsehen, hinfühlen und auf sein Herz hören ist sicher hilfreich. Euch beiden einen Tag mit viel Schönheit im Innen und Außen!
    Liebe Grüße

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