Sebastian Rether, Foc/ Feuer

Eine Graphic Novel über den 2. Weltkrieg! Geht das überhaupt? Ja, es geht und zwar beeindruckend gut, wenn man sich Foc/ Feuer von Sebastian Rether anschaut, denn zu lesen gibt es nur wenig.

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Mit schwarz-weißen, skizzenhaft anmutenden Strichen setzt der Autor die privaten Kriegserinnerungen seines Großvaters in Bilder um. Der zieht zunächst als Angehöriger der rumänischen Armee in den Krieg, kämpft dann als Soldat in einer deutschen Einheit und wird durch ganz Europa geschickt, um nach dem Kriegsende wieder in seine Heimatstadt in Siebenbürgen zurückzukehren. Enkel und Großvater haben zahlreiche Gespräche über die Empfindungen des damals noch sehr jungen Soldaten gesprochen.

Die Erlebnisse sind zwar geprägt vom Krieg, finden aber meist weit hinter der Front statt. Ähnlich einer Fabel stehen Tiere für die Menschen und ihre Kriegsmaschinen, d.h. für die Entmenschlichung im Krieg. Soldaten mit Hunde- oder Schweineköpfen, Schildkröten als Panzer, Adler als Jagdflieger. Die meisten Personen haben gar kein Gesicht. Der Satz:

„Wir hatten große Angst. Man konnte es in den Gesichtern der Soldaten sehen.“

wirkt da schon recht skurril. So ist dann eigenes Vorstellungsvermögen gefragt. Auch die vielen weißen Flächen stellen Raum für eigene Gedanken und Bilder bereit.

Foc/Feuer entstand zunächst als Unikat im Rahmen des Bachelor Abschlusses Rethers in einer Auflage von nur sechs Exemplaren und erhielt 2011 den Designpreis der Hochschule Konstanz, 2012 wurde die Arbeit auf die Shortlist des Förderpreises für junge Buchgestaltung der Stiftung Buchkunst gewählt.

Als Buch ist es nun bei der Edition Büchergilde erschienen, mit einem wunderbaren Einband, einer schwarzen Bindung und einem passenden, ganz feinen Lesebändchen.

Sebastian Rether, Foc/ Feuer, Edition Büchergilde, Frankfurt/M. 2016, 363 S., ISBN 978-3-86406-067-0

Datum: 6. August 2016
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos Trackback: Trackback-URL
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