Gesang der Geister über den Wassern

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Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

(Johann Wolfgang Goethe)

Datum: 15. September 2016
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2 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 16. September 2016 5:52
    1

    Ein wundervoller „Klassiker“ ist dieses Gedicht – und dein Bild dazu ist ebenfalls Klasse.

    Schönen Gruss ins Heute,
    Brigitte

  2. mona lisa | Freitag, 16. September 2016 15:28
    2

    Also: Klassik hoch 2 ;)
    Herzliche Grüße!

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