Baum im Herbst

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Noch ringt verzweifelt mit den kalten
Oktobernächten um sein grünes Kleid
mein Baum. Er liebt’s, ihm ist es leid,
Er trug es fröhliche Monde lang,
Er möchte es gern behalten.

Und wieder eine Nacht, und wieder
Ein rauher Tag. Der Baum wird matt
Und kämpft nicht mehr und gibt die Glieder
Gelöst dem fremden Willen hin,
Bis der ihn ganz bezwungen hat.

Nun aber lacht er golden rot
Und ruht im Blauen tief beglückt.
Da er sich müd dem Sterben bot,
Hat ihn der Herbst, der milde Herbst
Zu neuer Herrlichkeit geschmückt.

(Hermann Hesse)

Datum: 16. November 2016
Themengebiet: Allgemein, Fotos, Gedichte Trackback: Trackback-URL
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4 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 17. November 2016 7:16
    1

    Ja so ist das, da nützt kein Sperren und Aufbegehren gegen die Argumente der Natur.
    Lieben Gruss ins Heute,
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 17. November 2016 19:35
    2

    „Argumente der Natur“ – das gefällt mir sehr!
    Danke und: herzliche Grüße.

  3. seelenruhig | Montag, 21. November 2016 6:24
    3

    Was soll er machen… er fügt sich … und sieht dann, dass er damit auch glücklich sein kann!

  4. mona lisa | Montag, 21. November 2016 11:37
    4

    Sich fügen oder annehmen, was ist, was man aus eigener Kraft nicht ändern kann – ist eine auch meiner schwersten Übungen ;)
    Nehmen wir’s an und werden glücklich!
    Herzliche Montagmorgengrüße!

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