An das Herz

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Willst du nicht dich schließen,
Herz, du offnes Haus!
Worin Freund‘ und Feinde
Gehen ein und aus?

Schau‘, wie sie verletzen
Dir das Hausrecht stets!
Fühllos auf und nieder,
Polternd, lärmend geht’s.

Keiner putzt die Schuhe,
Keiner sieht sich um!
Staubig brechen Alle
Dir in’s Heiligtum;

Trinken aus den goldnen
Kelchen des Altars,
Stehlen Müh‘ und Segen
Dir des ganzen Jahrs;

Werfen die Penaten
Wild vom Herde dir,
Pflanzen drauf mit Toben
Ihr zerfetzt Panier:

Und wenn zu verwüsten
Sie nichts finden mehr,
Lassen sie im Scheiden
Dich, mein Herz, so leer!

Nein! und wenn nun Alles
Still und tot in dir:
O, noch halt‘ dich offen,
Offen für und für!

Laß die Sonne scheinen
Heiß in dich herein,
Stürme dich durchfahren
Und den Wetterschein!

Wenn durch deine Hallen
So die Windsbraut zieht,
Laß‘ aus deinen Glocken,
Schallen Lied um Lied!

Denn, noch kann’s geschehen,
Daß auf irrer Flucht
Eine treue Seele
Bei dir Obdach sucht!

(Gottfried Keller)

Datum: 30. Dezember 2016
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2 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 30. Dezember 2016 12:26
    1

    Wie schön, dieser Appell an die Herzlichkeit und das Urvertrauen.
    Auch das Bild dazu ist sehr gut gewählt.

    Lieben Dank für diese Perle und herzlichen Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Samstag, 31. Dezember 2016 8:37
    2

    Merci, und dir einen guten Abschied von 2016!!
    Herzliche Grüße

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