Teresa Präauer, Oh Schimmi

9783835318731l

Schimmi nennt sich mal Schimmi Schamlos, mal Schimmi Schamvoll, wird als körperlich frühreif, geistig unterentwickelt bezeichnet, lebt noch bei seiner Mutter und hat nichts anderes zu tun, als sich täglich durch die diversen Programme zu zappen, die von der Mutter bereitgestellten, ihm aber verhassten „Fitamine“ zu essen und eine hübsche Nachbarin zu beobachten.

„Nein ich esse keine frisches Obst und Gemüse. Die Ladies sind meine Früchte, hoho!“

Seinen Lebensstil bezeichnet er als die „americänistische Art“ und träumt von der großen Liebe, die er dann sexuell beglücken kann. Doch einen Namen mit -i- muss sie haben.
Er begibt sich auf die Suche, gerät dabei aber in große Schwierigkeiten, da er fast keine sozialen Kontakte hat und somit seine Fernsehwirklichkeiten von der Realität kaum unterscheiden kann.

Der Roman hat keine eigentliche Handlung als Schimmis Suche, sondern ist eine Aneinanderreihung nicht selten komischer Episoden, der Gedanken und Phantasien Schimmis. Ab und zu gibt es Dialoge mit seiner Mutter – meist per Handy, angekündigt durch „Dschungelmusik“ – selbst wenn sie in der Wohnung ist, sich aber tagelang in ihrem Zimmer aufhält. Wirkliche Begegnungen zwischen den beiden gibt es so gut wie gar nicht. Die Mutter hat mich sich selbst genug zu tun. Da ist Schimmi die Zugehfrau, ehemalige Geliebte des Vaters, den er anfangs nicht kennt, schon näher. Von ihr wird er unverblümt und direkt sexuell aufgeklärt.

Das Besondere des Romans ist die rotzfreche, unverblümte Sprache Schimmis, der sich für eine Angebetete zum Lack-Affen macht, weil er glaubt, ihr so imponieren zu können. Dabei hat er einfach nur ihren Satz falsch verstanden:

„Schimmi, verschwinde. Bevor du dich zum Affen machst. …
Als Schimmi gehe ich in den Kostümverleih.’Grüß Gott, ich möchte mich für die Ninni zum Affen machen‘, sage ich zum Kostümverleiher, der mich ansieht, man sagt dazu ungläubig, Was schaut der blöd und rührt sich nicht? … Der gafft mich an, von unten bis oben: Die Jungle-Fever-Schuhe, die Hose mit Glanz, das bunte Hemd, die Sonnenbrille mit Spiegelglas. Ich bin ein frischer Typ, was kostet die Welt?, und schenk ihm meinen goldensten Smile:’Na, na, na?‘ Soll ich vorher noch eine rauchen gehn? Oder hat er die Marktwirtschaft nicht verstanden? Herr Kostümverleiher, ich nehm für dich jetzt die Sonnenbrille ab, hänge mich übers Verkaufspult, flexibel, und schau dir ganz fest in deine stumpfen Augen.“
Fremdwörter benutzt Schimmi ständig, meist falsch und falsch ausgesprochen, um seine „americänistische“ Lebensart zum Ausdruck zu bringen.

„Oh Schimmi“ ist ein Jugendroman im Stile einer Taugenichtsgeschichte mit „Elementen, Bildern und Codes des 21. Jahrhunderts“ wie treffend auf dem Schutzumschlag zu lesen ist. Ein Roman aber auch für Erwachsene, die sich vorstellen können, an der Sprache Schimmis und seiner unverblümten, sexuell aufgeladenen Denk- und Redeweise Gefallen zu finden. Sie befinden sich dann in guter Gesellschaft mit dem Publikum und der Jury beim diesjährigen 39. Bachmannwettbewerb in Klagenfurt begeistert hat. Es ist ein bemerkenswerter, -würdiger Roman, der – laut vorgelesen – sicher noch stärker wirkt, als wenn man ihn still – nur für sich selbst – liest.

Teresa Präauer, Oh Schimmi, Roman, Wallstein Verlag, Göttingen 2016, 203 S., ISBN 978-3-8353-1873-1

Datum: 31. Dezember 2016
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

Kommentar abgeben