Bücher: beste Freunde

Meine Bücherliebe pflege und hege ich.

Ich habe immer schon gern gelesen, anfangs Bücher aus der Pfarrbücherei, dann Stadt-, Schulbücherei und Unibibliothek. Irgendwann war es mir ein Bedürfnis, Bücher – zumindest mir wichtige – zu besitzen, da ich sie fast immer mit Kommentaren, Anmerkungen und Unterstreichungen versehe. Zuerst mit schlechtem Gewissen: So etwas machte man bei und nicht!

Bücher wurden mir zu Lehrmeistern, Freunden, die mir Anregungen gaben, Freude bereiteten, immer zu Stelle waren, wenn man sie brauchte, zuverlässig, freundlich, kritisch, wohlwollend, herausfordernd, je nachdem, was gerade not-wendig war.

Manche mussten Jahre auf mich warten, bis ich bereit für eine Begegnung war. Und die warteten geduldig. Ab und zu abgestaubt, in Regalen an neuen Orten neu einsortiert.

Meine Versuche, sie zu reduzieren, waren langfristig nicht erfolgreich, immer liegt ein Stapel griffbereit: neben dem Bett, im Arbeitszimmer sowieso, im Wohnzimmer, der Küche …

Auf-, Wegräumaktionen, um mehr Klarheit in die Räume zu bringen, waren langfristig nicht erfolgreich. Jetzt lasse ich es.

Dass ich damit in prominenter Gesellschaft befinde, ist mir beim Lesen von Andreas Altmanns Buch „Dies beschissen schöne Leben“, Nachfolgeband von „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ aufgefallen. In der Geschichte „Der Dieb/ Eine Liebesgeschichte“ kann man an seiner Leseleidenschaft teilhaben, erzählt in Altmanns unnachahmlicher Art.

„Fest steht: Dank C. und Simmel schoss ich von Null auf Leseratte. … Ich fing an zu begreifen, dass Bücher als Wächter gegen Schwächeanfälle und Feigheiten taugten, als Heilkraut gegen die Schrammen täglicher Bosheiten, als Flammenwerfer gegen die Verwüstungen einer vollkaskoversicherten Windel-Gesellschaft.
Ein von Lustgefühlen begleiteter Teufelskreis begann. Sobald ich Papier sah, fing ich Feuer. Und um dieses Feuer zu löschen. benötigte ich wiederum Papier, viel Papier, viele Bücher.“
(a.a.O., München/Zürich 2014, S. 58)

Wer Andreas Altmann und seine Schreibe mag, wird an diesem Band sicher Gefallen finden.

Datum: 8. Januar 2017
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5 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 9. Januar 2017 23:03
    1

    …von Null auf Leseratte…
    köstlich, echt Altmann!

  2. Quer | Dienstag, 10. Januar 2017 11:12
    2

    Auch wenn ich nicht ganz so viel lese wie du und mich mehr auf „Kurzwaren“ konzentriere, kann ich dir beipflichten. Lesen kann zur Leidenschaft werden und es dann ein ganzes Leben lang bleiben. Auf diese Art Feuer zu fangen ist toll!

    Lieben Gruss,
    Brigitte

  3. mona lisa | Dienstag, 10. Januar 2017 11:42
    3

    @ Sonja: Ich lese ihn sehr gern, mag seine Sprache, seine Unverblümtheit.
    Habe ihn mal bei einer Lesung erlebt, es war, als sei er allein im Raum, als interessierten ihn die Zuhörer nicht die Bohne. Fragen hat er gar nicht erst zugelassen.
    Kann ihn verstehen, dass ihn das langweilt, doch dann frage ich mich, habe auch ihn gefragt, weshalb er dann überhaupt solche Lesungen veranstaltet. – Habe aber keine Antwort bekommen, war ihm wohl nicht intelligent genug formuliert ;)

  4. mona lisa | Dienstag, 10. Januar 2017 11:46
    4

    @ Quer: Ich bin immer wieder froh und dankbar, wenn ich durch deine Posts meine „Kurzwarenabteilung“ ergänzen und vergrößern kann.
    Leserattengrüße in die Schweiz ,)

  5. 5

    […] wer will sich das zumuten? Zumindest Menschen, die mit ihm die Liebe zu Büchern, zur Literatur – seine Reportagen sind gespickt mit Zitaten – zur deutschen Sprache, […]

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