Jakob Arjouni, Happy Birthday, Türke!

„Happy Birthday, Türke!“, der erste Kriminalroman des 2013 verstorbenen Jakob Arjouni, ist bereits 1985 erschienen und seitdem in mehr als 23 Sprachen übersetzt und von Doris Dörrie verfilmt worden. Viele kennen daher Kemal Kayankaya, den hessisch babbelnden Frankfurter Privatdetektiv und seinen ersten Fall vielleicht schon. Jetzt ist dieser amüsante Krimi in der Edition Büchergilde als Sonderausgabe neu erschienen, überzeugend illustriert von Philip Waechter.

Dass ihm die Illustration als ehemaligem Frankfurter Spaß gemacht hat, wie er im Anhang bekennt, ist unschwer zu erkennen. Es ist das Frankfurt der 80iger Jahre, als Kommissare und Privatdetektive noch öffentliche Telefonzellen, mit ihren dicken Telefonbüchern nutzten, um von unterwegs anzurufen, die Autohupe noch als Warnzeichen genutzt werden musste, mangels vorhandener Handys.

Millys Sexbar, in der Besuchern „Spaß bis 4 Uhr früh“ geboten wird, scheint Philip Waechter zu seiner Farbwahl animiert zu haben, die gesamte Rot-Palette – von „Schweinchenrosa“ über Lila bis Auberginfarben – ist vorhanden, ergänzt von tiefem Schwarz für die Konturen von Menschen, Häusern und sonstigen Gegenständen:

„Ich stieß die Tür auf und ging unter in Lila. Alles, Tapete, Tische, Stühle, Theke, Gläser, Teppich, Bilder, Kissen, Lampenschirme, selbst die Menschen leuchteten lila. Viele waren es nicht. … Abseits in dunklen Ecken saßen ein paar schwitzende Herren mit gelockertem Schlips bei leichtbekleideten Damen in Lila. Schwüles Gitarrengeklimper untermalte das Halbdunkel.“

Und Kemal Kayankaya bewegt sch in jeder Hinsicht im Halbdunkel. Das, was offensichtlich zu sein scheint, ist nicht, das was es ist: Der Türke Ahmed Hamul ist hinterrücks mit einem Messer erstochen aufgefunden worden. Verdächtige, gar einen Mörder, scheint es nicht zu geben und auch keinen, den es wirklich interessiert, den Mord aufzuklären. Im Gegenteil.

Doch die Witwe des Ermordeten will sich damit nicht zufrieden geben und beauftragt Kemal Kayankaya mit den Ermittlungen, bei denen er überall auf Widerstand stößt, selbst innerhalb der Familie des Ermordeten. Doch Kemal lässt sich davon nicht beeindrucken – schließlich braucht er das Geld.

Mit Grips, Witz, Schlagfertigkeit im eigentlichen und übertragenen Sinne führt er seine Ermittlungen durch. Mehrfach gerät er dabei selbst in große Gefahr, da er die anonyme Warnung nicht beherzigt:

LASS DEINE FINGER VON
AHMED HAMUL, TÜRKE!
ERSTE UND LETZTE WARNUNG!!

Doch er löst den Fall, offiziell für die Polizei und inoffiziell für die Familie.

Auf jeden Fall: lesenswert mit hohem Unterhaltungswert und als besonderes Geschenk für Krimifreunde sehr geeignet. Eine Zierde unter Krimiausgaben.

Jakob Arjouni, Happy Birthday Türke!, illustriert von Philip Waechter, Edition Büchergilde, Frankfurt/M. 2016, 191 S., ISBN 978-3-86406-075-5

Datum: 19. Januar 2017
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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