Linda Wolfsgruber u. Michael Stavaric, Als der Elsterkönig sein Weiß verlor

„Es war einmal ein mächtiger und erhabener Elsternkönig, der über ein riesiges Reich voller glücklicher und zufriedener Elstern herrschte.“


(Copyright Linda Wolfsgruber, kunstanst!fter verlag)

So beginnt das Märchen, das Michael Stavaric über den Elsterkönig erzählt. Die anfängliche Zufriedenheit aller mit ihrem König, aber auch im Umgang miteinander, setzt Linda Wolfsgruber mit zarten Pastelltönen in Szene. Sie alle leben in einem prächtigen Königreich.

„Und es gehörte alles allen Elstern zu gleichen Teilen, so wollte und wünschte es sich der König.“


(Copyright Linda Wolfsgruber, kunstanst!fter verlag)

Doch dann wacht der König eines Morgens auf und sein Federkleid ist nicht mehr weiß, sondern schwarz, unübersehbar für alle. Er ist entsetzt und wütend:

„Es war absolut inakzeptabel, dies war eine Majestätstbeleidigung, es war schlicht und einfach nicht hinnehmbar.“

Es wird viel getuschelt, gemunkelt und interpretiert, doch keiner spricht den König auf sein verändertes Federkleid an, was ihn noch wütender macht. Statt seine Veränderung zu akzeptieren, versucht er mit allen möglichen Mitteln, seine Untertaten und die Umgebung seines Königreiches seinem Aussehen anzupassen. Jegliche Farbe muss verbannt werden, auch das Weiß im Winter, wenn’s schneit. Eine nahezu unmögliche Herausforderung. Alles und alle werden dunkel, trüb trist, und das nicht nur im Außen. Jede Lebensfreude scheint aus dem Königreich vertrieben.

Die Illustrationen Linda Wolfsgruber werden zunehmend dunkler, seitenweise gehen sie ins Schwarz-Weiß-Graue über. Nur noch ein wenig Blau am Himmel darf sein, weil das die einzige Farbe ist, die der König noch toleriert.


(Copyright Linda Wolfsgruber, kunstanst!fter verlag)

Zunächst nehmen die Untertaten das veränderte Verhalten des Königs noch hin, doch dann beginnen sie zu murren, sie haben es „schlichtweg satt“, alles Farbige, vor allem alles Weiße aus ihrem Leben zu verbannen. Traurig und weinend muss der Elsterkönig abdanken und ist nun kein König mehr.

„Er war wohl nicht einmal mehr eine Elster, weder äußerlich noch innerlich“, aber frei.

Und wie im Märchen der Gebrüder Grimm muss nun der Protagonist in die Welt hinaus, sich entwickeln und der werden, der er ist. Natürlich endet auch dieses Märchen glücklich.

„Und so kam es, das jener Elsternkönig, der einst sein Weiß verloren hatte, schließlich und endlich doch noch sein Weiß wiederfand.“ Wie wird natürlich nicht verraten.

Text und Illustrationen harmonieren gut miteinander. Die Buchinnenseiten leuchten einem in einem Sonnengelb entgegen und vermögen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Allein, den Leserkreis anzugeben, fällt mir schwer. Es ist ein Märchen u.a. über Gleichwertigkeit, aber auch übers Altern, über Veränderungen im Leben, auf die man schlicht und einfach keinen Einfluss hat, wohl aber auf die Art, mit den Veränderungen umzugehen. Dass die Versuche des Königs im wahrsten Sinne des Wortes unglücklich sind, kapieren in der vorliegenden illustrierten Darstellung sicher auch Kinder.

Doch die Sprache ist vielfach eine „Erwachsenensprache“, etwa wenn von verfemten Kormoranen, von heimtückischem Virus, von hämischen Blicken, von Tuchenten, Drongos und Orcas die Rede ist. Ob die „schwarze Milch am Morgen“ nur eine zufällige Anspielung an Celans „Todesfuge“ ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist auf jeden Fall ein Bilderbuch, mit dem man Kinder zunächst nicht allein lassen sollte. Und zusammen macht’s ja sicher auch mehr Spaß.

Linda Wolfsgruber + Michael Stavaric, als der Elsterkönig sein Weiß verlor, kunstanst!fter verlag Mannheim 2017, 36 S., ISBN 978-3-942795-47-0

Datum: 26. Februar 2017
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2 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 27. Februar 2017 11:21
    1

    Mein Enkel versteht schon viel, sollte aber Worte wie „heimtückisch“ noch nicht so bald begreifen lernen…

  2. mona lisa | Montag, 27. Februar 2017 12:30
    2

    Und es liegt nicht an einer Übersetzung.

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