Vormittag


Der Wind singt sein Schlaflied
mit träumendem Rauschen,
die Blätter umschmeichelt er weich.
Ich laß mich verführen, dem Liede zu lauschen,
und fühl‘ mich den Gräsern gleich.

Es schauern die Lüfte
und kühlen mein heißes,
in Sehnsucht gehülltes Gesicht.
Die ziehenden Wolken verstreuen ihr weißes,
der Sonne gestohlenes Licht.

Die alte Akazie
verrieselt ihr Schweigen
in zitterndem Blättergewirr.
Die Düfte der Erde erheben sich, steigen
und fallen dann wieder zu mir.

(Selma Meerbaum-Eisinger)

Datum: 23. Februar 2017
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4 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 24. Februar 2017 14:05
    1

    Die Dichterinnen früher konnten noch so richtig schwärmen. :-)
    Lieben Gruss,
    Brigitte, die sich ein wenig anstecken lässt…

  2. Sonja | Freitag, 24. Februar 2017 23:04
    2

    Mit achtzehn schon gestorben, oh…und solche Sehnsucht nach Leben hatte sie…

  3. mona lisa | Samstag, 25. Februar 2017 8:54
    3

    Ja, Sonja so war’s leider. Ich habe sie erst vor einiger Zeit für mich entdeckt.

  4. mona lisa | Samstag, 25. Februar 2017 8:56
    4

    Quer, sie wusste wohl um die Gefahren für ihr Leben und damit auch für ihre Sehnsüchte.
    Dir einen sonnigen Samstag.

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