Christian H. Dorn, ICHSELBST

Dieser schmale Gedichtband „Weichheit des Herzens“ lädt – wie in den einführenden Zeilen deutlich wird – zum „nachdenklichen Innehalten“ ein. Die durchgängig gereimten, rechtsbündig geschriebenen und mit schlichten Fotografien versehenen Gedichte sind aus der Sehnsucht nach „Klarheit, Sinn, Authentizität und tiefem Frieden“ geschrieben, Ausdruck des geöffneten Herzens.


Die angesprochenen Themen sind Themen des Alltags wie „Urlaub“, „Dankbarkeit“, „Traum“.

Urlaub
Gedanken versunken
Seele baumelnd
fast trunken
vom freien Geist taumelnd

Sonnenstrahlen, leichter Wind
ruhiger Atem, angekommen
Herzlich lachen wie ein Kind
fühle mich hier angenommen

Olivenhaine gräulich schimmernd
grüner Rasen, Felder, Wiesen
Weite Horizonte flimmernd
entspannt die Augen schließen

Der Zeit entrückt, wie angehalten
Weisse Federwolken, Himmel Blau
Mein Leben leben, frei entfalten
leidenschaftliche Innenschau

Aber auch – für viele vielleicht – vermeintlich weniger poetische Themen wie Schmerz und Tod finden ihren Weg in Christian Dorns Gedichte:

Schmerz
Erforen, federtaube Empfindsamkeit
gespannt wie sprödes Pergament
Verflogen meine Heiterkeit
verflogen all mein Temperament

Gläsern Gespinst, eingefangene Leere
Den Weltschmerz auf kleinsten Punkt gebrannt
Müde Glieder, Augenschwere
reißen mich aus dem Verstand

Orientierungslose Trübheit, blind
Offenporig, Sinn verloren ohne Grund
Hilflos zaudernd wie ein Kind
verkrochen tiefer Dunkelschlund

Kraftvoll suhlend schöner Schmerz
in letzte Zellen eingetaucht
Kraftlos hart zerbrochen Herz
Kräfte restlos aufgebraucht

Die meisten Gedichte erschließen sich wohl eher intuitiv, also mit geöffnetem Herzen, auf der Ebene also, von der aus die Gedichte laut Verfasser entstehen.
Der schlicht gehaltene Einband ist sehr fein und glatt, ein sinnliches Vergnügen für haptisch orientierte Menschen.

Christian H. Dorn, ICHSELBST, Weichheit des Herzens, Gedichte, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7412-6162-6

Datum: 24. April 2017
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2 Kommentare

  1. Quer | Dienstag, 25. April 2017 6:57
    1

    Nö, tut mir Leid, Mona Lisa, – das ist nichts für mich. Wenn ich nur schon lese: „Kraftvoll suhlend schöner Schmerz“ und sich der dann noch wie erwartet auf „Kraftlos hart zerbrochen Herz“ reimt, gehen bei mir alle Alarmglocken los.
    Das nenne ich von Gefühlsdusel triefenden Kitsch.
    Nichts für ungut. Aber mit guter Lyrik hat das wenig zu tun.

    Dennoch einen lieben Gruss zu dir und ein herzliches Dankeschön für deine (fast) immer sehr wertvollen und überzeugenden Buchbesprechungen.

    Man muss ja auch nicht immer der selben Meinung sein.

    Hab einen erfreulichen Tag!
    Brigitte

  2. mona lisa | Dienstag, 25. April 2017 8:26
    2

    Das habe ich mir schon gedacht ;)
    Ich persönlich mag’s lieber auch eher ungereimt, so entgeht man der möglichen Zwanghaftigkeit in der Wortwahl.
    Herzliche Grüße, verbunden mit der Hoffnung auf wärmere Temperaturen. In meinem Garten ist soviel verfroren :(

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