Der Aufbruch

„Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: »Wohin reitet der Herr?« »Ich weiß es nicht«, sagte ich, »nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen.« »Du kennst also dein Ziel«, fragte er. »Ja«, antwortete ich, »ich sagte es doch: ›Weg-von-hier‹ – das ist mein Ziel.« »Du hast keinen Eßvorrat mit«, sagte er. »Ich brauche keinen«, sagte ich, »die Reise ist so lang, daß ich verhungern muß, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Eßvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.«

(Franz Kafka)

Datum: 29. April 2017
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2 Kommentare

  1. Quer | Montag, 1. Mai 2017 6:39
    1

    Sehr mutig und entschlossen, wer so zu reisen vermag!
    Beste Wünsche und lieben Gruss in den beginnenden Mai hinein,
    Brigitte

    P.S. „Birthday Girl“ habe ich 2x gekauft, 1x gelesen und finde es sehr ansprechend und bestens geeignet zum Verschenken. Danke nochmals für den Tipp!

  2. mona lisa | Montag, 1. Mai 2017 9:13
    2

    Liebend gern!
    Ich könnte so auch nicht reisen, wenn Reisen hier allerdings ein Synonym für Leben ist, dann reisen wir wohl alle so ;)
    Wünsche dir einen angenehmen 1. Mai!

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