Von der Ehe


Ihr werdet zusammen sein,
wenn die weissen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nich vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.

(Kahlil Gibran)

Datum: 4. Mai 2017
Themengebiet: Aufgelesen, Denk-Würdiges, Zitate Trackback: Trackback-URL
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3 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 5. Mai 2017 5:21
    1

    Dieses Ehe-Rezept könnte funktionieren und zeugt von viel ehelicher Erfahrung. :-)
    Einzig das Brot würde ich gerne zusammen essen…
    Herzliche Freitagmorgengrüsse,
    Brigitte

  2. mona lisa | Freitag, 5. Mai 2017 14:37
    2

    Aus einem Becher trinken würde sicher auch noch gehen, wenn der Rest stimmig ist ;)
    Ich stimme mich auf das Wochenende ein!
    Herzliche Grüße

  3. seelenruhig | Samstag, 6. Mai 2017 13:44
    3

    Wie scöhn diese Zeilen hier wieder zu finden! Meine Mutter hat sie seinerzeit bei der HOchzeit meines ältesten Bruders rezitier.

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