György Kurtág, Kafka-Fragmente f. Sopran u. Violine

Abends gab’s dann noch einmal im Dortmunder Konzerthaus in der Reihe Musik für Freaks Kafka zu hören.

Der ungarische Komponist György Kurtág hat vierzig Kafka Aphorismen und Miniaturen für Sopran und Violine „mit wenigsten Tönen, so viel und so dicht wie möglich“ (Programmheft d. Konzerthauses Dortmund) vertont. Das Ergebnis ist keine leichte, erbauliche Kost, aber mit Anna Maria Pammer und Patricia Kopatchinskaja, zwei Musikerinnen mit Leidenschaft und Begeisterung, ein eindringliches, nachklingendes Erlebnis.

Hier einige der Kafka-Texte:

DER WAHRE WEG
„Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt, stolpern zu machen, als begangen zu werden.“

AUS EINEM ALTEN NOTIZBUCH
„Jetzt am Abend, nachdem ich von sechs Uhr früh an gelernt habe, bemerkte ich, wie meine linke Hand die rechte schon ein Weilchen lang aus Mitleid bei den Fingern umfasst hielt.“

LEOPARDEN
„Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie.“

Datum: 12. Juni 2017
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3 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 12. Juni 2017 10:54
    1

    Dieses „Aus einem alten Notizbuch“, wo finde ich das?
    Schöner Blogbeitrag rundum – und ich muss an Prag denken…
    Gruß von Sonja

  2. mona lisa | Montag, 12. Juni 2017 11:53
    2

    Einen Teil der in den Fragmenten verarbeiteten Texte habe ich in der Suhrkamp quatro Gesamtausgabe wiedergefunden.
    Das, wonach du gefragt hast, bis jetzt allerdings noch nicht.
    liebe Grüße

  3. Quer | Mittwoch, 14. Juni 2017 5:08
    3

    Eine spannende Sache. Diese Art der Musik war sicher sehr passend zu Kafka – die Zitate sind toll!
    Lieben Morgengruss,
    Brigitte

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