Keine Nachricht

„Meine liebe Bergit.
Es gibt Tage, an denen man das Alleinsein sehr spürt. Da hilft kein Buch. Da hilft selbst die tollste Arbeit nicht. Vielleicht ist das neu einsetzende Winterwetter dran schuld, dass ich heute nur so herum pendle, vielleicht die Übermüdung nach einer anstrengenden Woche, vielleicht ist es das Gefühl, dass dieser Krieg noch endlos dauern wird. Dazu der Gedanke, dass die letzte Nachricht von dir vier Monate alt ist, und vier Monate sind eine schrecklich lange Zeit. Wenn man sich doch nur direkt schreiben könnte! Aber immer auf diesem grässlichen Umweg und dazu stets nur Grüße und nicht mehr.“

(Die Jüdin Emilie Braach an ihre Tochter, die sie während der Nazizeit nach England in Sicherheit geschickt hatte, während sie sich selbst in Frankfurt am Main versteckt hielt. Aus der Sendung „Lebenszeichen“ des WDR „Mitten im Leben schreib ich dir v. 16.7.2017)

Datum: 19. Juli 2017
Themengebiet: Aufgelesen, Zitate Trackback: Trackback-URL
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