Sätze waschen – eine Leseprobe

„Sprache kann man nicht erfinden. Sie lebt davon, dass sie überliefert wird, von Generation zu Generation. Aber es kam wohl darauf an, die geläufigen Sätze zu waschen, die Buchstaben ins Wasser zu werfen, die Silben rein zu kratzen, die Wörter abzubürsten. Das ganze Gewört auf die Leine zu hängen, damit am Ende die alte Sprache und gerade nicht eine ungebrauchte neue das Alte und Gültige wieder sagen könne. Sie soll ja nicht Dichtung werden wollen, sondern Gebrauchssprache für Menschen, die als Fußgänger auf den Märkten unterwegs sind.“

Jörg Zink über seine Bemühungen, nach dem 2. Weltkrieg eine Sprache zu finden, mit der er Menschen die Sprache der Bibel nahebringen und verständlich machen konnte, auch den – oft nichtchristlichen – Flüchtlingen aus dem Osten und vor allem Jugendlichen.

(aus: Jörg Zink, Ufergedanken, Gütersloh 2017, S. 88)

Datum: 29. Juli 2017
Themengebiet: Aufgelesen, Worte, Zitate Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Quer | Samstag, 29. Juli 2017 8:40
    1

    Dieser kurze Ausschnitt beweist: Es ist ihm gelungen. Das hört sich wirklich frisch gewaschen an.
    Ja, es ist schon sehr entscheidend, w i e etwas gesagt oder geschrieben wird.

    Liebe Samstagsgrüsse,
    Brigitte

    P.S. Der Tag heute ist auch wie frisch gewaschen – herrlich!

  2. mona lisa | Sonntag, 30. Juli 2017 8:18
    2

    Ja, es war insgesamt eine erfrischende, anregende Lektüre.
    Hier macht die Sonne schon wieder Pause, dabei ist doch schon alles frisch gewaschen – außer meinen Fenstern ;)
    Dir einen erfrischenden Sonntag.

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