Spätsommer I


Noch schenkt der späte Sommer Tag um Tag
Voll süßer Wärme. Über Blumendolden
Schwebt da und dort mit mildem Flügelschlag
Ein Schmetterling und funkelt sammetgolden.

Die Abende und Morgen atmen feucht
Von dünnen Nebeln, deren Naß noch lau.
Vom Maulbeerbaum mit plötzlichem Geleucht
Weht gelb und groß ein Blatt ins sanfte Blau.

Eidechse rastet auf besonntem Stein,
Im Blätterschatten Trauben sich verstecken.
Bezaubert scheint die Welt, gebannt zu sein
In Schlaf, in Traum, und warnt dich sie zu wecken.

So wiegt sich manchmal viele Takte lang
Musik, zu goldener Ewigkeit erstarrt,
Bis sie erwachend sich dem Bann entrang
Zurück zu Werdemut und Gegenwart.

Wir Alten stehen erntend am Spalier
Und wärmen uns die sommerbraunen Hände.
Noch lacht der Tag, noch ist er nicht zu Ende,
Noch hält und schmeichelt uns das Heut und Hier.

(Hermann Hesse)

Datum: 30. August 2017
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2 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 31. August 2017 7:09
    1

    Das passt wunderbar zu diesen letzten Spätsommertagen, die ab heute wohl vorbei sind.
    Das „Hessehaus“ in Gaienhofen habe ich übrigens auch besucht auf der Bodensee-Reise. Mehr dazu etwas später…
    Lieben Gruss ins Heute,
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 31. August 2017 9:36
    2

    Der Sommer hat sich in den hiesigen Gefilden verabschiedet :(
    Dennoch einen Tag mit viel Gegenwärtigkeit!

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