Mathias Malzieu, Ich liebe das Leben viel zu sehr


Mathias Malzieu ist ein junger Rockmusiker, Bestsellerautor und Filmemacher, der von sich sagt:

„Draufgängertum ist meine Droge. Mein Schädel ist eine prall gefüllte Schatzkammer aus Tausendundeiner Nacht, bei deren Anblick einem die Augen aus dem Kopfspringen. Langeweile ist mir fremd, außer, wenn ich von anderen ausgebremst werde. In meinem Herzen steigt ein Feuerwerk auf. Ich bin ein Vulkanmensch, durch meine Adern fließt Lava. Ich bin süchtig nach Überraschungen und suche ständig nach neuen elektrischen Zuckungen. Anders kann ich nicht leben.“

Doch von jetzt auf gleich ist er gezwungen, anders zu leben. Eine Autoimmunkrankheit reißt ihn aus seinem turbulenten Alltag. Anfangs ist er auf permanente Bluttransfusionen angewiesen. Doch die helfen irgendwann nicht mehr gegen die Krankheit. Wochenlange Krankenhausaufenthalte auf der Isolierstation und eine Knochenmarktransplantation sind die Folgen.

Dieses Jahr zwischen Leben und Tod durchzustehen und den Kampf gegen die Dame Okles mit ihrem tödlichen Schwert zu gewinnen, gelingt Malzieu mit Hilfe seiner prall gefüllten „Schatzkammer“, seinen Träumen, seinem Humor und seinem Bedürfnis, das, was er erlebt aufzuschreiben und nicht zu vergessen wie die meisten Patienten.

„Die Schwestern haben mir erzählt, dass manche Patienten ihren Krankenhausaufenthalt unbedingt vergessen wollen. Ich will ihn unbedingt erinnern. Dieses Bedürfnis steckt mir tief in den Knochen.

Ich werde eine Karriere als Spitzenpoetiker einschlagen. Ein Programm ausarbeiten und mich daran halten. Meine Träume verfolgen und sie mit anderen teilen. Ich möchte meine Leben für etwas Sinnvolles nutzen, um nicht die Arbeit derjenigen mit Füßen zu treten, die mir ihr Blut, ihr Knochenmark und ihre Zeit geschenkt haben. Ich möchte mich bei Walt Whitman bedanken und an Dionysos glauben. Ich habe eine zweite Chance bekommen, und ich will andere an diesem Fahrstuhl teilhaben lassen.“

Und so ist dieses Mutmachbuch entstanden, in dem der Autor den Weg seiner Krankheit und Genesung und die Dankbarkeit beschreibt, die er gegenüber den Menschen empfindet, die bei ihm geblieben sind und ihn durch ihr Dasein unterstützt haben.Es ist eine Reise durch die Hölle. Sich die vorzustellen, bleibt Aufgabe des Lesers, denn der Autor spricht zwar von seiner Angst, aber wie genau er damit umgeht, bleibt vage. Passt aber zu meinen Erfahrungen, dass Männer sich eher an Fakten halten und darüber sprechen als über die mit einer solchen Situation einhergehenden Gefühle. Die metaphorische und von Humor geprägte Darstellung ist stimmtig, denn durch Humor entsteht ja eine gewisse Distanz zum Erlebten.

Mathias Malzieu, Ich liebe das Leben viel zu sehr. Wie ich gegen den Tod rebellierte und eine zweite Chance bekam, a.d.Franz. v. Sonja Fink, carl’s book, München 2017, 222 S., ISBN 978-3-570-58569-6

Datum: 11. Oktober 2017
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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