Die Reise nach innen


Die längste Reise
ist die Reise nach innen.
Wer sein Los gewählt hat,
wer die Fahrt begann
zu seiner eigenen Tiefe
(gibt es denn Tiefe?) –
noch unter euch,
ist er außerhalb der Gemeinschaft,
abgesondert in eurem Gefühl
gleich einem Sterbenden
oder wie einer, den der nahende Abschied
vorzeitig weiht
zu jeglicher Menschen endlicher Einsamkeit.

Zwischen euch und jenem ist Abstand,
ist Unsicherheit –
Rücksicht.

Selber wird er euch sehen
abgerückt, ferner,
immer schwächer eures Lockrufs
Stimme hören.

(Dag Hammarskjöld, Zeichen am Weg, 2. Aufl. Stuttgart 2012, S.97)

Datum: 14. Dezember 2017
Themengebiet: Aufgelesen, Fotos, Gedichte Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 14. Dezember 2017 9:08
    1

    Wenn man das liest, möchte man sie lieber nicht antreten, diese innere Reise…
    Und doch zwingt das Schicksal uns manchmal dazu.
    Nachdenkliche Grüsse,
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 14. Dezember 2017 9:26
    2

    Man erlebt eine Menge, wenn man sich erst einmal aufgemacht hat. Leider kann man das Erlebte nur selten wirklich teilen – es fehlt oft an Verständnis. Insofern spricht mir der Text aus der Seele.
    Dir einen feinen Donnerstag.

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