Warme Zimmer und kalte

Wir gehen von warmen Zimmern in kalte
und von kalten wieder in warme Zimmer.

Das Neugeborene schreit plötzlich ins Licht.
Es wußte schon immer, daß der Erdrutsch kommen würde.

Wie viele rätselhafte Städte unter der Erde
baut nicht das, was wir das Herz nennen!

Der Beischlaf dient eher dem Erinnern als dem Vergessen.

Zuweilen sind wir trockene Schneekristalle
getrieben von einem eisigen Wind, in Wirbeln

über die großen blanken Eisflächen. Erbarmungslos.

An großen warmen Sommertagen weiden im grünen Schatten
königliche Hirsche unter mächtigen Baumkronen.

Ein sanfter Wind zieht durch die Landschaft.

Ich meine, mit dem Klagen muß es auch ein Ende haben.

(Lars Gustafsson, Die Stille der Welt vor Bach, S. 54)

Datum: 13. Dezember 2017
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2 Kommentare

  1. Quer | Donnerstag, 14. Dezember 2017 6:29
    1

    Was für ein eindringliches und vielschichtiges Gedicht von Lars Gustafsson! Tief traurig und zuversichtlich zugleich. Ich finde es passt zur Jahreszeit. Und zu deinem Foto.
    Lieben Gruss.
    Brigitte

  2. mona lisa | Donnerstag, 14. Dezember 2017 8:55
    2

    Lieben Dank, ich mag Gustafsson nicht nur als Romanautor.
    Herzliche Morgengrüße aus dem trüben Speckhorn

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